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Handy und Stress – Warum uns das Smartphone kaum noch abschalten lässt

  • 13 Min. Lesezeit
Handy und Stress – Warum uns das Smartphone kaum noch abschalten lässt

Warum kann das Handy überhaupt Stress auslösen?

Eine WhatsApp-Nachricht. Zwei neue Mails. Eine Push-Mitteilung. Dazwischen kurz das Wetter checken – und wenn das Handy schon einmal in der Hand ist, noch schnell schauen, ob es etwas Neues gibt. Keine dieser Situationen klingt für sich genommen besonders stressig. Und trotzdem können genau diese kleinen Unterbrechungen dazu führen, dass sich ein Tag erstaunlich voll anfühlt. Denn das Smartphone begleitet uns nicht nur bei der Arbeit oder in der Freizeit. Es ist oft vom Aufwachen bis zum Einschlafen in Reichweite. Damit verschwimmen Grenzen, die früher deutlicher waren: zwischen erreichbar und nicht erreichbar, konzentriert und abgelenkt, beschäftigt und einfach einmal untätig. Das Problem ist also nicht automatisch, dass Du ein Smartphone besitzt oder häufig benutzt. Interessanter ist die Frage: Wie oft fordert es Deine Aufmerksamkeit, obwohl Du gerade etwas ganz anderes machen möchtest?

 

1. Wenn aus Erreichbarkeit eine Erwartung wird

Eigentlich ist es praktisch, jederzeit erreichbar zu sein. Eine kurze Nachricht lässt sich schnell beantworten. Eine Frage aus dem Büro kann unterwegs geklärt werden. Freunde und Familie sind nur wenige Klicks entfernt. Doch aus dieser Möglichkeit kann sich still und leise eine Erwartung entwickeln. Du kannst sofort antworten. Also fühlt es sich irgendwann an, als solltest Du sofort antworten. Vielleicht kennst Du diesen kleinen inneren Druck: Du hast eine Nachricht gesehen, möchtest Dich aber eigentlich gerade auf etwas anderes konzentrieren. Trotzdem bleibt sie im Hinterkopf. Ich antworte gleich. Und während Du noch darüber nachdenkst, kommt bereits die nächste. Das Smartphone muss dabei nicht einmal ständig klingeln. Schon das Wissen, dass Nachrichten warten könnten, kann dazu führen, dass wir immer wieder nachsehen. So entsteht eine Form von Erreichbarkeit, die keinen offiziellen Anfang und kein klares Ende kennt. Früher warst Du vielleicht nicht am Computer. Heute befindet sich ein kleiner Computer in Deiner Hosentasche. Feierabend bedeutet deshalb nicht automatisch, dass auch die Kommunikation Feierabend hat.

 

2. Warum selbst kleine Unterbrechungen anstrengend sein können

Du arbeitest konzentriert an einer Aufgabe. Das Handy vibriert. Du schaust kurz nach. Nichts Dringendes. Also legst Du es wieder weg. Das Ganze hat vielleicht zehn Sekunden gedauert. Trotzdem bist Du gedanklich nicht unbedingt exakt dort, wo Du vorher warst. Denn Aufmerksamkeit lässt sich nicht beliebig oft hin- und herschalten, ohne dass etwas davon hängen bleibt. Nach einer Unterbrechung müssen wir uns wieder orientieren: Wo war ich? Was wollte ich gerade machen? Welcher Gedanke war wichtig? Passiert das einmal, ist das kaum bemerkenswert. Passiert es über einen Arbeitstag verteilt immer wieder – durch Nachrichten, E-Mails, Apps und den eigenen Griff zum Smartphone –, kann daraus ein Alltag voller kleiner Aufmerksamkeitswechsel entstehen. Das Interessante daran: Am Abend erinnerst Du Dich vielleicht gar nicht an die meisten davon. Du merkst nur, dass Du erschöpft bist und trotzdem das Gefühl hast, nie richtig bei einer Sache gewesen zu sein.

 

Was macht die ständige Erreichbarkeit mit uns?

Es gibt einen Unterschied zwischen erreichbar sein und sich erreichbar fühlen. Dein Smartphone kann lautlos auf dem Tisch liegen und trotzdem einen Teil Deiner Aufmerksamkeit beanspruchen. Vielleicht erwartest Du eine Antwort. Vielleicht weißt Du, dass in einer Gruppe gerade diskutiert wird. Vielleicht möchtest Du nur kurz kontrollieren, ob etwas angekommen ist. Die eigentliche Belastung entsteht deshalb nicht nur durch das Piepen und Vibrieren. Sie kann auch durch die Erwartung entstehen, jederzeit reagieren zu können – oder reagieren zu müssen.

 

1. Warum „Du kannst jederzeit antworten“ schnell zu „Du solltest antworten“ wird

Messenger haben Kommunikation enorm beschleunigt. Das verändert auch unsere Erwartungen. Ein Brief konnte mehrere Tage unterwegs sein. Eine E-Mail durfte früher vielleicht ein paar Stunden warten. Eine Messenger-Nachricht kommt innerhalb von Sekunden an – und häufig können wir sogar sehen, ob sie bereits gelesen wurde. Damit entsteht eine neue Frage: Wie lange darf ich eigentlich nicht antworten? Natürlich gibt es darauf keine allgemeine Regel. Aber genau das kann Druck erzeugen. Wenn andere Menschen schnell antworten, übernehmen wir diese Geschwindigkeit möglicherweise selbst. Wenn eine Nachricht bereits gelesen wurde, fühlt sich eine spätere Antwort manchmal beinahe wie eine bewusste Entscheidung gegen den Absender an. Also antworten wir eben schnell. Auch wenn wir gerade essen. Auch wenn wir mit jemand anderem sprechen. Auch wenn wir eigentlich Feierabend haben. Das Problem ist nicht die einzelne Nachricht. Es ist die ständige Bereitschaft zum Wechsel: von dem, was Du gerade tust, zu dem, was jemand anderes gerade von Dir möchte.

 

2. Wenn Feierabend nicht mehr automatisch offline bedeutet

Du klappst den Laptop zu. Der Arbeitstag ist vorbei. Dann erscheint auf dem Smartphone eine berufliche Nachricht. Nur eine kurze Frage. Du könntest sie bis morgen liegen lassen. Aber Du kennst die Antwort, also schreibst Du schnell zurück. Zwei Minuten später ist die Sache erledigt. Zumindest technisch. Gedanklich kann es anders aussehen. Die Nachricht hat Dich für einen Moment zurück in die Arbeit geholt. Vielleicht erinnerst Du Dich an eine Aufgabe für morgen. Vielleicht fällt Dir etwas ein, das Du vergessen hast. Plötzlich sitzt Du zwar noch auf dem Sofa – bist mit dem Kopf aber wieder im Büro. Genau deshalb geht es bei digitaler Erreichbarkeit nicht nur darum, wie viel Zeit eine Nachricht kostet. Eine Antwort kann 30 Sekunden dauern und trotzdem eine Grenze unterbrechen, die für Erholung wichtig ist. Das bedeutet nicht, dass jede berufliche Nachricht nach Feierabend automatisch problematisch ist. Menschen haben unterschiedliche Arbeitsmodelle und auch unterschiedliche Bedürfnisse. Entscheidend ist vielmehr, ob Du selbst noch beeinflussen kannst, wann Du verfügbar bist und wann nicht. Denn wenn jede freie Minute theoretisch unterbrochen werden kann, fühlt sie sich irgendwann möglicherweise gar nicht mehr richtig frei an.

 

Warum stört das Smartphone unsere Konzentration?

Manchmal ist das Handy gar nicht stressig, weil besonders viel darauf passiert. Es ist stressig, weil ständig etwas passieren könnte. Du möchtest einen Text lesen, eine Aufgabe fertigstellen oder einfach einem Gespräch folgen. Gleichzeitig liegt das Smartphone daneben. Vielleicht leuchtet gleich das Display auf. Vielleicht kommt eine Nachricht. Vielleicht solltest Du nur ganz kurz nachsehen. Und schon konkurriert eine Aufgabe, die Konzentration braucht, mit einem Gerät, das Dir jederzeit etwas Neues anbieten kann.

 

1. Jede Unterbrechung hat einen Preis

Eine Nachricht zu überprüfen dauert oft nur wenige Sekunden. Die eigentliche Unterbrechung kann länger sein. Denn sobald Du Deine Aufmerksamkeit auf etwas Neues richtest, musst Du anschließend wieder zurückfinden. Besonders bei anspruchsvollen Aufgaben kann dieses ständige Wechseln den Arbeitsfluss erschweren. Noch deutlicher wird es, wenn aus dem kurzen Check etwas anderes entsteht. Du möchtest nur eine Nachricht beantworten. Dabei siehst Du eine E-Mail. Du öffnest sie. Dann erinnerst Du Dich an etwas, das Du noch nachschauen wolltest. Fünf Minuten später hältst Du das Smartphone immer noch in der Hand – und weißt kurz nicht mehr, warum Du es ursprünglich genommen hast. Das ist keine Frage mangelnder Disziplin. Das Smartphone bündelt schlicht sehr viele Dinge an einem Ort: Kommunikation, Nachrichten, Unterhaltung, Arbeit, Fotos, Termine und soziale Netzwerke. Eine einzige Unterbrechung kann deshalb zehn neue Möglichkeiten mitbringen, sich weiter ablenken zu lassen.

 

2. Reicht es schon, wenn das Handy auf dem Tisch liegt?

Vielleicht hast Du schon einmal gehört, dass allein ein Smartphone auf dem Schreibtisch unsere Konzentration verschlechtert – selbst wenn wir es gar nicht benutzen. Ganz so eindeutig ist die Forschung dazu nicht. Einige Untersuchungen fanden Hinweise darauf, dass die bloße Anwesenheit des eigenen Smartphones kognitive Ressourcen beanspruchen kann. Andere Studien konnten diesen Effekt jedoch nicht in derselben Stärke bestätigen. Für den Alltag ist deshalb eine andere Frage hilfreicher: Was macht das sichtbare Smartphone mit Dir persönlich? Wenn Du alle paar Minuten automatisch darauf schaust, Dich ein aufleuchtendes Display sofort aus Deiner Aufgabe holt oder Du ständig den Impuls verspürst, etwas zu überprüfen, kann es sinnvoll sein, das Gerät beim konzentrierten Arbeiten außer Sichtweite zu legen. Nicht weil ein Smartphone auf dem Tisch automatisch Deine Gehirnleistung „aussaugt“. Sondern weil manchmal schon eine kleine räumliche Distanz verhindert, dass aus jedem kurzen Impuls sofort eine Handlung wird.


Benachrichtigungen: Der Weg zur Ablenkung

 

Warum greifen wir zum Handy, obwohl wir gerade gar nichts brauchen?

Du wartest zwei Minuten auf die Bahn. Das Handy kommt raus. Deine Freundin geht im Restaurant kurz zur Toilette. Das Handy kommt raus. Der Film läuft noch nicht weiter, der Kaffee braucht eine Minute, der Aufzug lässt auf sich warten – und schon hast Du das Smartphone in der Hand. Dabei wolltest Du häufig gar nichts Bestimmtes nachschauen. Genau das macht den automatischen Griff zum Handy so interessant: Nicht jede Smartphone-Nutzung beginnt mit einer bewussten Entscheidung. Manchmal ist das Gerät einfach zur Standardantwort auf einen freien Moment geworden.

1. Der automatische Griff in jeder freien Minute

Wenn Du eine Nachricht bekommst und deshalb auf Dein Smartphone schaust, ist der Auslöser ziemlich offensichtlich. Doch irgendwann braucht es möglicherweise gar keine Benachrichtigung mehr. Bestimmte Situationen können selbst zu einem Signal werden: warten, gelangweilt sein, eine schwierige Aufgabe vor sich haben oder für einen Moment nichts zu tun haben. Handy raus. App öffnen. Kurz schauen. Und weil dort fast immer etwas Neues wartet, kann sich dieses Verhalten mit der Zeit festigen. Das erklärt auch, warum der Vorsatz „Ich schaue einfach weniger aufs Handy“ oft überraschend schwierig umzusetzen ist. Du müsstest dafür jedes Mal bemerken, dass Du gerade nach dem Gerät greifst – bevor Du es bereits entsperrt hast. Vielleicht kennst Du sogar den Moment, in dem Du plötzlich auf Instagram, WhatsApp oder im Browser landest und Dich fragst: Was wollte ich hier eigentlich? Die Antwort lautet manchmal: gar nichts. Das Smartphone war einfach da.

 

2. Wenn Langeweile plötzlich ungewohnt wird

Langeweile hat keinen besonders guten Ruf. Wir warten ungern. Wir möchten beschäftigt sein. Und mit einem Smartphone müssen wir tatsächlich kaum noch irgendwo einfach nur dasitzen. Das klingt zunächst großartig. Nur verschwinden damit auch viele dieser kleinen Zwischenräume aus unserem Alltag. Früher standest Du vielleicht an der Bushaltestelle und hast aus dem Fenster geschaut. Heute kannst Du in denselben drei Minuten Nachrichten beantworten, ein Video ansehen, Schlagzeilen lesen und anschließend noch kurz Deine Mails überprüfen. Jede kleine Pause kann zur Gelegenheit für neuen Input werden. Das bedeutet nicht, dass wir wieder lernen müssen, 20 Minuten lang eine weiße Wand anzustarren. Und auch Langeweile ist nicht automatisch etwas besonders Wertvolles. Interessant ist vielmehr, ob Du freie Momente überhaupt noch aushalten kannst, ohne sie sofort zu füllen.

Probier es einmal aus: Warte beim nächsten Mal an der Kasse, ohne das Smartphone herauszuholen. Wahrscheinlich passiert nichts Spektakuläres. Vielleicht merkst Du aber, wie schnell der Impuls auftaucht, doch kurz nachzusehen. Genau solche Momente zeigen, wie selbstverständlich das Smartphone inzwischen in unseren Alltag eingebaut ist. Und das ist für Handystress relevant. Denn Erholung muss nicht immer bedeuten, 30 Minuten zu meditieren oder einen Spaziergang im Wald zu machen. Manchmal beginnt eine Pause schlicht damit, nicht jede freie Minute sofort mit dem nächsten Reiz zu füllen.

 

Wie kannst Du Dein Handy nutzen, ohne dass es ständig stresst?

Die radikale Lösung klingt zunächst verlockend: Handy aus. Social Media löschen. Digital Detox. Nur passt das für viele Menschen nicht besonders gut zum Alltag. Wir organisieren Termine über das Smartphone, kommunizieren mit Freunden, navigieren, arbeiten, bezahlen und informieren uns darüber. Das Handy komplett aus dem eigenen Leben zu verbannen, ist deshalb weder notwendig noch für die meisten realistisch. Die interessantere Frage lautet: Wie kannst Du die Vorteile des Smartphones behalten, ohne ihm permanent Deine Aufmerksamkeit zu überlassen?

 

1. Benachrichtigungen: Nicht alles verdient Deine sofortige Aufmerksamkeit

Eine Nachricht erscheint auf dem Display und erzeugt automatisch eine kleine Entscheidung: Nachsehen oder ignorieren? Das Problem ist, dass wir diese Entscheidung möglicherweise dutzende Male am Tag treffen. Deshalb lohnt es sich, einmal kritisch durch die eigenen Benachrichtigungen zu gehen.

Muss eine Shopping-App Dir sofort mitteilen, dass ein Angebot begonnen hat? Musst Du jedes Like sehen, sobald es passiert? Braucht jede News-App Zugriff auf Deinen Sperrbildschirm? Wahrscheinlich nicht. Das bedeutet nicht, sämtliche Benachrichtigungen auszuschalten. Eine Nachricht von einer wichtigen Person oder eine Terminerinnerung kann schließlich genau die Funktion erfüllen, für die Benachrichtigungen gedacht sind. Es geht vielmehr darum, Dringendes von bloß Neuem zu unterscheiden. Denn nur weil etwas neu ist, verdient es nicht automatisch Deine sofortige Aufmerksamkeit.

 

2. Schaffe handyfreie Momente statt kompletter Verbote

„Ab morgen nur noch eine Stunde Bildschirmzeit“ klingt nach einem klaren Plan. Bis Du merkst, dass Navigation, WhatsApp, Musik, Arbeit und Online-Banking ebenfalls Bildschirmzeit sind. Deshalb können situative Grenzen hilfreicher sein als eine einzige Zahl. Zum Beispiel: Beim Essen bleibt das Smartphone weg. Die erste Viertelstunde nach dem Aufwachen gehört nicht dem Feed. Beim konzentrierten Arbeiten liegt das Gerät nicht direkt daneben. Im Schlafzimmer bekommt es einen festen Platz, der nicht auf dem Kopfkissen liegt. Solche Regeln haben einen Vorteil: Du musst nicht ständig darüber nachdenken, ob Du heute schon „zu viel“ am Handy warst. Du entscheidest stattdessen vorher, in welchen Situationen Du bewusst nicht erreichbar sein möchtest. Damit entstehen wieder kleine Bereiche im Alltag, in denen nicht jederzeit etwas aufleuchten, vibrieren oder Deine Aufmerksamkeit fordern kann.

 

3. Mach den Griff zum Smartphone etwas weniger automatisch

Wenn Du eine Gewohnheit verändern möchtest, musst Du sie nicht unbedingt unmöglich machen. Manchmal reicht es, sie ein kleines bisschen unbequemer zu machen. Apps, die Du ständig automatisch öffnest, können vom Homescreen verschwinden. Das Smartphone kann beim Arbeiten in der Tasche bleiben statt neben der Tastatur. Social-Media-Apps lassen sich mit Zeitlimits versehen. Auch der Graustufenmodus wird häufig empfohlen, weil ein weniger farbintensives Display das Smartphone möglicherweise weniger reizvoll erscheinen lässt. Du solltest davon allerdings keinen Wundereffekt erwarten. Viel interessanter ist das Prinzip dahinter: Zwischen Impuls und Handlung soll wieder ein kleiner Moment entstehen. Wenn Du erst nach einer App suchen musst, statt sie reflexartig zu öffnen, bekommst Du Gelegenheit zu merken: Moment – warum wollte ich gerade eigentlich ans Handy? Vielleicht gibt es einen Grund. Dann benutze es. Vielleicht gibt es keinen. Dann kannst Du es wieder weglegen. Das Ziel ist also nicht, möglichst wenig Bildschirmzeit zu sammeln. Es geht darum, aus automatischer Nutzung wieder häufiger bewusste Nutzung zu machen.


Fünf Tipps für weniger Handyzeit

 

Wann wird Handystress wirklich zum Problem?

Nicht jeder häufige Griff zum Smartphone ist automatisch problematisch. Vielleicht brauchst Du das Gerät beruflich, schreibst viel mit Freunden oder erledigst einen großen Teil Deines Alltags darüber. Auch eine hohe Bildschirmzeit allein sagt deshalb erstaunlich wenig darüber aus, ob Dein Smartphone Dich tatsächlich belastet. Interessanter ist, was passiert, wenn Du es gerade nicht benutzt. Kannst Du abschalten? Bleibt das Handy auch einmal liegen? Oder fühlt es sich inzwischen so an, als müsstest Du ständig zumindest ein bisschen „auf Empfang“ sein?

 

1. Wenn das Smartphone kaum noch echte Pausen zulässt

Vielleicht hast Du eigentlich viele kleine Pausen am Tag. Nur fühlen sie sich nicht unbedingt wie Pausen an. Du setzt Dich mit einem Kaffee hin und öffnest Instagram. Auf dem Weg nach Hause beantwortest Du Nachrichten. Beim Fernsehen schaust Du nebenbei aufs Handy. Im Bett checkst Du noch schnell Deine Mails. Keine dieser Situationen muss für sich genommen belastend sein. Wenn aber jeder freie Moment automatisch mit neuem Input gefüllt wird, bleibt immer weniger Zeit, in der Deine Aufmerksamkeit tatsächlich einmal nirgendwohin springen muss. Besonders auffällig kann es werden, wenn Du selbst in ruhigen Situationen das Gefühl hast, etwas überprüfen zu müssen. Ist eine Nachricht gekommen? Hat jemand geantwortet? Gibt es etwas Neues? Dann ist nicht unbedingt das Smartphone selbst der Stressfaktor. Belastend kann vielmehr die permanente Bereitschaft sein, auf etwas reagieren zu müssen. Und genau deshalb kann Handystress leicht übersehen werden. Es gibt häufig keinen einzelnen Moment, in dem Du denkst: Jetzt stresst mich mein Smartphone. Es sind die vielen kleinen Unterbrechungen, Checks und Erwartungen, die sich über den Tag verteilen.

 

2. Wann es sinnvoll ist, das eigene Nutzungsverhalten genauer anzuschauen

Ein guter Hinweis ist, wenn Du selbst merkst, dass Deine Smartphone-Nutzung nicht mehr zu dem passt, was Du eigentlich möchtest. Du willst früher schlafen, bleibst aber regelmäßig am Handy hängen. Du möchtest konzentriert arbeiten, greifst aber ständig zum Smartphone. Du möchtest beim Essen oder in einem Gespräch präsent sein – und bemerkst trotzdem immer wieder, dass Du nebenbei aufs Display schaust. Oder Du würdest gerne häufiger offline sein, fühlst Dich dabei aber schnell unruhig oder hast das Gefühl, etwas zu verpassen. Dann muss die Lösung nicht sofort ein radikaler Digital Detox sein. Viel hilfreicher kann zunächst eine ehrliche Frage sein: Wann hilft mir mein Smartphone gerade – und wann benutze ich es nur, weil ich es gewohnt bin? Wenn die Nutzung dauerhaft Schlaf, Konzentration, Stimmung, Beziehungen oder Deinen Alltag beeinträchtigt und es Dir trotz eigener Versuche kaum gelingt, etwas daran zu verändern, kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls professionelle Unterstützung zu suchen. Denn ein Smartphone soll Deinen Alltag erleichtern. Es sollte nicht bestimmen, wann Deine Aufmerksamkeit verfügbar sein muss.


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