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Panikattacke oder Herzinfarkt? Warum sich beides so ähnlich anfühlen

  • 9 Min. Lesezeit
Panikattacke oder Herzinfarkt? Warum sich beides so ähnlich anfühlen

Warum fühlen sich Panikattacke und Herzinfarkt so ähnlich an?

Brustschmerzen, Herzrasen, Atemnot und plötzlich starke Angst können sowohl bei einer Panikattacke als auch bei einem Herzinfarkt auftreten. Genau diese Überschneidung macht die Situation so beängstigend. Ein Herzinfarkt lässt sich anhand einzelner Symptome zu Hause jedoch nicht sicher von einer Panikattacke unterscheiden.

 

1. Wenn Brustschmerzen plötzlich Todesangst auslösen

Ein unangenehmes Gefühl in der Brust reicht manchmal aus, um innerhalb weniger Augenblicke große Angst auszulösen. Das Herz beginnt schneller zu schlagen, die Atmung verändert sich und sofort entsteht der Gedanke: Bekomme ich gerade einen Herzinfarkt?

Bei einer Panikattacke kann sich diese Angst sehr real anfühlen. Die Attacke beginnt typischerweise plötzlich und geht mit einer intensiven körperlichen und psychischen Alarmreaktion einher. Neben Herzklopfen oder Herzrasen können Brustschmerzen oder ein Engegefühl, Atemnot, Zittern, Schwitzen, Schwindel und Übelkeit auftreten. Manche Betroffene erleben zusätzlich Kribbeln, Hitzewallungen oder das Gefühl, die Umgebung sei unwirklich. Besonders charakteristisch ist die starke Angst, die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben.

Doch genau hier liegt das Problem: Auch ein Herzinfarkt kann Todesangst, Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel und Schweißausbrüche verursachen. Häufig kommt ein ausgeprägtes Druck- oder Engegefühl im Brustkorb hinzu. Deshalb sollte gerade bei erstmalig auftretenden oder starken Brustbeschwerden nicht davon ausgegangen werden, dass „nur die Psyche“ dahintersteckt. Selbst Menschen, die bereits Panikattacken kennen, können unabhängig davon eine körperliche Erkrankung entwickeln.

 

2. Warum Herzrasen, Atemnot und Schwindel bei beiden auftreten können

Dass sich beide Zustände ähnlich anfühlen, bedeutet nicht, dass im Körper dasselbe passiert. Bei einer Panikattacke gerät das körpereigene Alarmsystem in starke Aktivierung. Die Angst kann innerhalb kurzer Zeit sehr intensiv werden und zahlreiche körperliche Veränderungen hervorrufen. Gerade eine beschleunigte Atmung kann zusätzlich Beschwerden wie Schwindel oder Kribbeln begünstigen. Die wahrgenommenen Symptome können wiederum die Befürchtung verstärken, dass mit dem Herzen etwas nicht stimmt – wodurch die Panik weiter zunimmt.

Bei einem Herzinfarkt liegt dagegen ein akutes körperliches Problem vor. Ein Herzkranzgefäß ist verschlossen, sodass ein Teil des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Ohne schnelle Behandlung kann Herzmuskelgewebe absterben. Ein Herzinfarkt ist deshalb lebensbedrohlich und muss sofort medizinisch behandelt werden. Die ähnliche Symptomatik kann trotzdem dazu führen, dass sich beide Situationen für Betroffene zunächst nahezu gleich anfühlen.

Und genau deshalb ist die wichtigste Regel bei diesem Thema sehr einfach: Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt, insbesondere bei neu auftretenden oder starken Brustschmerzen, sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden. Nicht darauf warten, ob die Beschwerden von allein verschwinden. Das Bundesgesundheitsportal empfiehlt bei Schmerzen im Brustbereich ausdrücklich den Notruf 112.

 

Panikattacke oder Herzinfarkt?

 

Panikattacke oder Herzinfarkt – welche Unterschiede gibt es?

Trotz der ähnlichen Beschwerden gibt es Merkmale, die bei einer Panikattacke oder einem Herzinfarkt häufiger vorkommen. Sie können bei der medizinischen Einordnung helfen – einen Herzinfarkt aber nicht zuverlässig ausschließen. Dafür sind unter anderem ärztliche Untersuchungen wie EKG und Blutuntersuchungen notwendig.

 

1. Wie sich die Beschwerden unterscheiden können

Bei einem Herzinfarkt stehen häufig starke Beschwerden im Brustbereich im Vordergrund. Betroffene können einen ausgeprägten Druck, eine Enge oder ein Brennen hinter dem Brustbein verspüren. Die Schmerzen können in andere Körperregionen ausstrahlen, beispielsweise in einen oder beide Arme, die Schulter, den Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch. Atemnot, Übelkeit, Blässe und kalter Schweiß können hinzukommen.

Bei einer Panikattacke können Brustenge oder Brustschmerzen ebenfalls auftreten. Häufig kommen Herzrasen, eine beschleunigte Atmung, Schwindel, Zittern, Schwitzen oder Kribbeln hinzu. Besonders typisch ist das plötzliche Gefühl einer starken Bedrohung: Manche Betroffene sind in diesem Moment überzeugt, zu sterben, ohnmächtig zu werden oder die Kontrolle zu verlieren.

Trotzdem wäre eine Gegenüberstellung nach dem Muster „drückender Schmerz bedeutet Herzinfarkt, stechender Schmerz bedeutet Panikattacke“ gefährlich. Ein Herzinfarkt kann sich unterschiedlich äußern. Nicht jeder Betroffene hat die klassischen starken Brustschmerzen, und auch Art und Ausstrahlung der Schmerzen können variieren. Hinzu kommt, dass Herzinfarkte bei manchen Menschen weniger typische Beschwerden verursachen. Das betrifft unter anderem häufiger Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Diabetes. Teilweise können Atemnot, Übelkeit, Schwäche oder starke Erschöpfung stärker auffallen als der klassische Brustschmerz. Ein einzelnes Symptom eignet sich deshalb nicht dazu, zwischen Panikattacke und Herzinfarkt zu unterscheiden.

 

2. Was der zeitliche Verlauf verraten kann

Auch der Verlauf kann Hinweise liefern. Eine Panikattacke beginnt meist plötzlich und erreicht innerhalb kurzer Zeit eine hohe Intensität. Gesundheitsinformation.de gibt an, dass eine Panikattacke in der Regel etwa 10 bis 20 Minuten dauert. Danach lässt die starke Alarmreaktion typischerweise wieder nach. Das erklärt, warum manche Betroffene nach einer Attacke rückblickend ein sehr deutliches Muster erkennen: Innerhalb weniger Minuten entsteht massive Angst, die körperlichen Beschwerden erreichen ihren Höhepunkt und anschließend nimmt die Intensität allmählich wieder ab.

Bei einem Herzinfarkt können die Beschwerden dagegen anhalten. Doch auch hier gilt: Die Uhr ist kein zuverlässiger Selbsttest. Ein Herzinfarkt kann unterschiedlich verlaufen, und Beschwerden können variieren. Umgekehrt können einzelne Symptome einer Panikattacke länger spürbar sein als die eigentliche Phase maximaler Angst. Deshalb sollte niemand mit neu aufgetretenen Brustschmerzen erst 20 oder 30 Minuten abwarten, um zu sehen, ob es „nur eine Panikattacke“ ist. Gerade bei einem möglichen Herzinfarkt kostet Abwarten wertvolle Zeit. Besteht der Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt, ist eine schnelle medizinische Versorgung entscheidend,

 

3. Warum Begleitsymptome wichtig sind

Nicht nur der Brustschmerz selbst ist für die medizinische Beurteilung relevant. Wichtig ist auch, welche weiteren Beschwerden gleichzeitig auftreten und in welchem Zusammenhang sie entstanden sind. Starker Druck oder Enge im Brustkorb zusammen mit Atemnot, Übelkeit, Blässe oder kaltem Schweiß können Warnzeichen eines Herzinfarkts sein. Auch eine Ausstrahlung der Schmerzen in Arme, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch sollte ernst genommen werden.

Bei einer Panikattacke treten dagegen häufig zusätzliche Empfindungen wie Zittern, Kribbeln, Schwindel oder ein Gefühl der Unwirklichkeit auf. Eine veränderte, beschleunigte Atmung kann manche dieser Beschwerden zusätzlich verstärken.

Aber auch diese Begleitsymptome schaffen keine sichere Trennlinie. Schweißausbrüche, Atemnot, Schwindel und starke Angst können beispielsweise bei beiden auftreten. Deshalb ist die wichtigste Botschaft dieses Vergleichs nicht, möglichst viele Unterschiede auswendig zu lernen. Sie lautet vielmehr: Wenn die Beschwerden neu, stark oder ungewöhnlich sind und ein Herzinfarkt nicht sicher ausgeschlossen werden kann, sollte die Situation als möglicher medizinischer Notfall behandelt werden.

 

Was passiert bei einer Panikattacke im Körper?

Eine Panikattacke kann sich anfühlen, als wäre der Körper plötzlich außer Kontrolle geraten. Tatsächlich läuft eine intensive Angstreaktion ab: Herzschlag, Atmung und Aufmerksamkeit verändern sich innerhalb kurzer Zeit. Besonders belastend wird es, wenn diese körperlichen Reaktionen selbst als Zeichen einer akuten Gefahr wahrgenommen werden.

 

1. Wenn die Angstreaktion körperlich spürbar wird

Angst ist nicht nur ein Gefühl. Sie löst im Körper eine Reihe von Reaktionen aus, die ursprünglich dazu dienen, auf eine mögliche Gefahr vorbereitet zu sein. Das Herz schlägt schneller, die Atmung kann sich beschleunigen, die Muskeln spannen sich an und die Aufmerksamkeit richtet sich verstärkt auf mögliche Bedrohungen. Bei einer Panikattacke läuft diese Alarmreaktion besonders intensiv ab. Das kann erklären, warum sich die Beschwerden so unmittelbar körperlich anfühlen. Herzrasen, Brustenge, Luftnot, Schwindel, Zittern und Schwitzen sind keine eingebildeten Empfindungen – Betroffene nehmen tatsächlich deutliche körperliche Veränderungen wahr.

Auch eine schnelle oder flache Atmung kann zusätzliche Beschwerden begünstigen. Manche Menschen verspüren dann beispielsweise Schwindel oder Kribbeln in Händen und Fingern. Gleichzeitig kann das Gefühl entstehen, nicht genügend Luft zu bekommen, obwohl gerade die veränderte Atmung Teil der Angstreaktion sein kann. Das Schwierige daran: Wer solche Symptome zum ersten Mal erlebt, weiß in diesem Moment nicht, wodurch sie verursacht werden. Und selbst bei bekannten Panikattacken sollte nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass neue oder ungewöhnliche Brustbeschwerden wieder dieselbe Ursache haben.  Die Erklärung einer Panikattacke darf deshalb niemals dazu dienen, einen möglichen Herzinfarkt selbst auszuschließen.

 

2. Wie aus Herzrasen noch mehr Angst entstehen kann

Bei Panikattacken spielt häufig nicht nur die körperliche Reaktion selbst eine Rolle, sondern auch die Bedeutung, die ihr gegeben wird. Das Herz beginnt schneller zu schlagen. Der Gedanke entsteht: Mit meinem Herzen stimmt etwas nicht. Dadurch steigt die Angst. Der Körper reagiert noch stärker. Und das noch deutlichere Herzklopfen scheint schließlich zu bestätigen, dass tatsächlich etwas Gefährliches passiert. So kann innerhalb kurzer Zeit ein Kreislauf aus Körperempfindung, bedrohlicher Bewertung und zunehmender Angst entstehen. Auch die S3-Leitlinie zu Angststörungen beschreibt dieses „Teufelskreismodell der Angst“ als Bestandteil der Psychoedukation bei Panikstörungen.

Gerade nach einer sehr intensiven Attacke kann außerdem die Aufmerksamkeit für den eigenen Körper zunehmen. Ein einzelner kräftiger Herzschlag, eine leichte Veränderung der Atmung oder ein kurzes Schwindelgefühl wird möglicherweise sofort registriert. Der Gedanke „Jetzt geht es wieder los“ kann dann bereits neue Angst auslösen. Bei wiederkehrenden Panikattacken kann daraus eine Angst vor der Angst entstehen. Betroffene fürchten nicht mehr nur die Attacke selbst, sondern auch, wann und wo sie das nächste Mal auftreten könnte. Manche beginnen deshalb, bestimmte Orte oder Situationen zu vermeiden. Wiederkehrende unerwartete Panikattacken zusammen mit anhaltender Sorge vor weiteren Attacken beziehungsweise entsprechendem Vermeidungsverhalten können auf eine Panikstörung hindeuten. Wichtig bleibt jedoch die Trennung zwischen dieser Erklärung und einer akuten Situation: Wer gerade neue oder starke Brustbeschwerden hat, sollte nicht versuchen, anhand eines vermeintlichen Angstkreislaufs festzustellen, dass es „nur Panik“ ist. Bei einem möglichen Herzinfarkt muss zuerst die körperliche Ursache medizinisch abgeklärt werden.

 

Wann solltest Du bei Brustschmerzen sofort handeln?

Bei möglichen Herzinfarkt-Symptomen zählt Zeit. Deshalb sollte nicht erst versucht werden, anhand von Schmerzart, Dauer oder bisherigen Panikattacken selbst herauszufinden, was hinter den Beschwerden steckt. Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.

 

1. Bei welchen Warnzeichen Du die 112 wählen solltest

Besonders ernst genommen werden sollten starke Schmerzen, Druck oder ein ausgeprägtes Engegefühl im Brustkorb. Die Beschwerden können hinter dem Brustbein auftreten und in andere Körperregionen ausstrahlen – beispielsweise in einen oder beide Arme, Rücken, Hals, Kiefer, Schulterblätter oder Oberbauch. Auch Atemnot kann ein wichtiges Warnzeichen sein. Hinzukommen können unter anderem Blässe, kalter Schweiß, Übelkeit oder ein starkes Schwächegefühl. Dabei ist wichtig: Ein Herzinfarkt muss nicht immer dem klassischen Bild mit starken Brustschmerzen entsprechen.

Gerade deshalb sollte die Entscheidung für den Notruf nicht davon abhängen, ob alle typischen Symptome gleichzeitig vorhanden sind. Auch eine bereits bekannte Panikstörung schützt nicht vor einem Herzinfarkt. Wer Panikattacken kennt, neigt möglicherweise dazu, vertraute Beschwerden schnell wieder der Angst zuzuschreiben. Sind Brustschmerzen jedoch neu, ungewöhnlich stark oder fühlen sie sich anders an als bisherige Attacken, sollte das nicht einfach als Panik abgetan werden. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt empfiehlt die Deutsche Herzstiftung ausdrücklich, nicht darauf zu warten, ob die Symptome wieder verschwinden, sondern den Rettungsdienst über 112 zu alarmieren.

 

2. Warum Du im Zweifel nicht abwarten solltest

Gerade weil Panikattacken häufig nach einigen Minuten wieder abklingen, könnte der Gedanke entstehen: Ich warte einfach kurz und schaue, ob es besser wird. Bei möglichen Herzinfarkt-Symptomen ist genau das keine gute Strategie.

Ein Herzinfarkt entsteht, wenn Herzmuskelgewebe nicht mehr ausreichend mit Blut und damit Sauerstoff versorgt wird. Je länger dieser Zustand anhält, desto größer kann die Schädigung werden. Schnelle medizinische Versorgung ist deshalb entscheidend. Auch der zeitliche Verlauf eignet sich nicht als sicherer Test. Zwar dauern Panikattacken häufig etwa 10 bis 20 Minuten, doch daraus folgt nicht, dass Beschwerden, die nach kurzer Zeit besser werden, harmlos sind – oder dass Beschwerden, die länger anhalten, automatisch von einem Herzinfarkt stammen.

Die Unterscheidung erfolgt im medizinischen Umfeld. Dort können unter anderem die Beschwerden und Krankengeschichte beurteilt sowie Untersuchungen wie ein EKG und Bluttests durchgeführt werden. Deshalb gilt bei diesem Thema eine einfache Regel: Lieber einmal zu früh die 112 wählen als einen möglichen Herzinfarkt abzuwarten. Das gilt insbesondere bei starken oder neu aufgetretenen Brustschmerzen beziehungsweise deutlichem Druck oder Engegefühl im Brustkorb, Atemnot oder anderen Beschwerden, die zu einem Herzinfarkt passen könnten. Die Deutsche Herzstiftung betont bei Verdacht auf einen Herzinfarkt: sofort 112 und nicht abwarten.

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