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Warum habe ich ständig Angst? Wenn eine generalisierte Angststörung dahintersteckt

  • 13 Min. Lesezeit
Warum habe ich ständig Angst? Wenn eine generalisierte Angststörung dahintersteckt

Warum habe ich ständig Angst?

Angst braucht nicht immer einen offensichtlichen Auslöser. Manchmal bleibt ein Gefühl von Anspannung und Sorge bestehen, obwohl gerade keine konkrete Gefahr erkennbar ist. Dahinter können unterschiedliche Ursachen stecken – von anhaltendem Stress bis hin zu einer Angststörung.


1. Wenn die Angst keinen konkreten Auslöser zu haben scheint 

Eigentlich ist gerade alles in Ordnung. Trotzdem bleibt dieses ungute Gefühl. Vielleicht entsteht schon morgens nach dem Aufwachen eine innere Anspannung. Vielleicht kreisen die Gedanken darum, was im Laufe des Tages schiefgehen könnte. Oder es besteht ständig das Gefühl, auf etwas vorbereitet sein zu müssen, ohne genau sagen zu können, worauf. Gerade diese diffuse Angst kann verunsichern. Bei einer konkreten Angst lässt sich der Auslöser meist benennen: Wer Angst vor einer Prüfung hat, weiß, warum das Herz schneller schlägt. Bei anhaltender Angst ist dieser Zusammenhang häufig weniger eindeutig. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Angst „grundlos“ oder eingebildet ist. Angst entsteht durch komplexe Prozesse im Gehirn und Körper und kann durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden. Anhaltender Stress, belastende Lebenssituationen, Schlafmangel oder psychische Erkrankungen können beispielsweise dazu beitragen, dass Ängste häufiger oder intensiver wahrgenommen werden. Auch körperliche Erkrankungen, Medikamente oder bestimmte Substanzen können Beschwerden auslösen oder verstärken, die sich wie Angst und innere Unruhe anfühlen. Deshalb ist es sinnvoll, ständige Angst nicht vorschnell einer bestimmten Diagnose zuzuordnen. Entscheidend ist zunächst, genauer hinzuschauen: Wann tritt die Angst auf? Worum drehen sich die Gedanken? Wie lange besteht sie bereits – und wie stark beeinflusst sie den Alltag?


2. Wenn aus einzelnen Sorgen ein Dauerzustand wird 

Sorgen gehören zum Leben. Ein wichtiges Gespräch, finanzielle Schwierigkeiten oder die Gesundheit eines Familienmitglieds können uns gedanklich über längere Zeit beschäftigen. Normalerweise verändert sich die Sorge jedoch wieder, wenn sich die Situation klärt oder die Aufmerksamkeit anderen Dingen gilt. Bei manchen Menschen scheint dieser Punkt kaum noch einzutreten. Ist eine Sorge vorübergehend geklärt, findet sich bereits die nächste. Heute geht es um die Arbeit, morgen um die Gesundheit und anschließend vielleicht um Geld, Familie oder die eigene Zukunft. Die Themen wechseln – das Gefühl, sich Sorgen machen zu müssen, bleibt. Das kann dazu führen, dass selbst eigentlich ruhige Momente nicht mehr als erholsam erlebt werden. Stattdessen beginnt der Kopf mögliche Szenarien durchzuspielen: Was, wenn ich einen Fehler gemacht habe? Was, wenn jemandem etwas passiert? Was, wenn ich meine Arbeit verliere? Oft wissen Betroffene durchaus, dass sie sich sehr viele Gedanken machen. Trotzdem lassen sich die Sorgen nicht einfach beenden. Der Versuch, eine Befürchtung vollständig zu klären, führt mitunter sogar zur nächsten Frage. Aus „Was, wenn etwas passiert?“ wird „Wie könnte ich das verhindern?“ – und anschließend „Habe ich wirklich an alles gedacht?“. Wenn solche schwer kontrollierbaren Sorgen über längere Zeit bestehen und verschiedene Lebensbereiche betreffen, kann unter anderem eine generalisierte Angststörung dahinterstecken. Ständige Angst allein reicht für diese Diagnose jedoch nicht aus. Ob tatsächlich eine Angststörung vorliegt, muss anhand weiterer Kriterien fachlich abgeklärt werden.


3. Warum Angst auch körperlich spürbar wird 

Anhaltende Angst bleibt häufig nicht auf die Gedanken beschränkt. Wer sich ständig bedroht oder angespannt fühlt, kann die Auswirkungen auch körperlich bemerken. Das liegt daran, dass Angst den Körper auf eine mögliche Gefahr vorbereitet. Das autonome Nervensystem wird aktiviert, Herzschlag und Atmung können sich verändern und die Muskulatur spannt sich an. Kurzzeitig ist diese Reaktion sinnvoll. Hält die innere Anspannung jedoch immer wieder oder über längere Zeit an, kann sie als belastend erlebt werden. Mögliche Beschwerden sind beispielsweise Herzklopfen, Zittern, Schwitzen, Schwindel, Muskelverspannungen oder Magen-Darm-Beschwerden. Auch innere Unruhe und Schlafprobleme können auftreten. Welche Symptome im Vordergrund stehen, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Dabei kann ein Kreislauf entstehen: Eine körperliche Veränderung wird wahrgenommen und macht Angst. Die Angst erhöht wiederum die körperliche Anspannung, wodurch das Symptom noch deutlicher wahrgenommen wird. Wer beispielsweise bemerkt, dass das Herz schneller schlägt, macht sich möglicherweise Sorgen darüber – und genau diese Sorge kann den Herzschlag zusätzlich beschleunigen. Wichtig ist dennoch, körperliche Beschwerden nicht automatisch auf Angst zurückzuführen. Gerade neu auftretende, starke oder ungewöhnliche Symptome sollten medizinisch abgeklärt werden. Das gilt insbesondere für Beschwerden wie ausgeprägte Atemnot oder Brustschmerzen, hinter denen auch körperliche Ursachen stecken können.


Wann kann eine generalisierte Angststörung dahinterstecken?

Wer sich häufig Sorgen macht, hat nicht automatisch eine generalisierte Angststörung. Entscheidend ist, wie anhaltend und schwer kontrollierbar die Sorgen sind und wie stark sie das tägliche Leben beeinflussen. Typisch ist vor allem, dass sich die Angst nicht nur auf ein einzelnes Thema beschränkt.


1. Mehr als einfach nur „zu viele Gedanken“ 

Fast jeder kennt Phasen, in denen die Gedanken nicht zur Ruhe kommen. Vor wichtigen Entscheidungen oder in belastenden Lebenssituationen kann es vollkommen normal sein, sich über Tage oder auch länger Sorgen zu machen. Bei einer generalisierten Angststörung geht es jedoch um mehr als gelegentliches Grübeln. Charakteristisch sind anhaltende und übermäßige Ängste und Sorgen, die sich auf verschiedene Bereiche des Lebens beziehen können. Mal steht die eigene Gesundheit im Mittelpunkt, mal die Familie, die Arbeit, finanzielle Fragen oder die Zukunft. Dabei müssen keine außergewöhnlichen Probleme vorliegen. Auch alltägliche Situationen können zum Ausgangspunkt intensiver Sorgen werden. Ein kleiner Fehler bei der Arbeit kann beispielsweise die Befürchtung auslösen, beruflich zu scheitern. Meldet sich eine nahestehende Person einige Stunden nicht, entstehen vielleicht sofort Gedanken daran, dass etwas passiert sein könnte. Ein körperliches Ziehen wiederum kann eine längere Kette von Sorgen um die eigene Gesundheit in Gang setzen. Der entscheidende Unterschied zu normalen Sorgen liegt deshalb nicht darin, worüber sich jemand Gedanken macht. Viele Themen sind dieselben, über die sich auch Menschen ohne Angststörung sorgen. Auffällig sind vielmehr die Intensität, die Dauer und die Schwierigkeit, die Sorgen wieder loszulassen.


2. Wenn sich die Sorgen kaum noch kontrollieren lassen 

„Mach Dir nicht so viele Gedanken“ klingt zunächst nach einem einfachen Rat. Bei einer generalisierten Angststörung lässt er sich jedoch häufig nicht einfach umsetzen. Viele Betroffene erkennen durchaus, dass ihre Sorgen sehr viel Raum einnehmen. Trotzdem gelingt es ihnen nur schwer, den Gedankenstrom bewusst zu beenden.  Das kann besonders anstrengend werden, weil eine Sorge häufig die nächste nach sich zieht. Ist eine mögliche Gefahr gedanklich durchgespielt, taucht eine neue Unsicherheit auf. Selbst eine beruhigende Antwort bringt dann möglicherweise nur vorübergehend Erleichterung. Dahinter kann der Versuch stehen, durch Nachdenken möglichst viel Sicherheit herzustellen. Wer jede denkbare Entwicklung im Voraus berücksichtigt, fühlt sich vielleicht besser vorbereitet. Das Problem: Vollständige Sicherheit lässt sich im Alltag kaum erreichen. Es bleibt fast immer ein „Was, wenn …?“. So können Sorgen immer mehr Zeit beanspruchen. Abschalten fällt schwer, Entscheidungen werden wiederholt hinterfragt und selbst in eigentlich entspannten Situationen läuft die gedankliche Suche nach möglichen Problemen weiter. Bei einer generalisierten Angststörung bestehen solche Ängste und Sorgen über einen längeren Zeitraum. Für die Diagnose bei Erwachsenen sehen gängige Diagnosekriterien einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten vor. Eine solche Zeitangabe allein reicht allerdings nicht aus, um die Erkrankung festzustellen. Entscheidend ist das Gesamtbild der Beschwerden.


3. Welche Beschwerden auftreten können 

Die ständigen Sorgen sind zwar ein zentrales Merkmal der generalisierten Angststörung, bleiben aber häufig nicht die einzige Belastung. Wer gedanklich immer wieder mögliche Gefahren durchspielt, kann auch körperlich dauerhaft angespannt sein. Typisch können beispielsweise innere Unruhe, schnelle Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, Muskelanspannung und Schlafprobleme sein. Manche Betroffene beschreiben das Gefühl, ständig „unter Strom“ zu stehen. Andere bemerken vor allem, dass sie abends trotz Müdigkeit nicht abschalten können, weil die Gedanken weiterlaufen. Gerade diese Begleiterscheinungen können dazu führen, dass die Belastung mit der Zeit zunimmt. Wer schlecht schläft, fühlt sich am nächsten Tag erschöpfter. Konzentration und Belastbarkeit können nachlassen, alltägliche Aufgaben werden anstrengender – und daraus können wiederum neue Sorgen entstehen. Nicht jeder Mensch mit einer generalisierten Angststörung erlebt jedoch dieselben Beschwerden. Ebenso sind Schlafprobleme, innere Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten für sich genommen kein Beweis für eine Angststörung. Sie können zahlreiche andere Ursachen haben.


4. Wie eine generalisierte Angststörung festgestellt wird

Eine generalisierte Angststörung lässt sich nicht mit einem einzelnen Test feststellen. Für die Diagnose ist ein ausführliches Gespräch entscheidend. Dabei geht es unter anderem darum, welche Ängste und Sorgen bestehen, wie lange sie bereits auftreten, wie gut sie kontrolliert werden können und in welchem Maß sie den Alltag beeinträchtigen. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Ursachen. Ständige Angst und körperliche Unruhe können beispielsweise auch im Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten. Zudem können körperliche Erkrankungen, Medikamente oder bestimmte Substanzen Beschwerden verursachen oder verstärken, die einer Angststörung ähneln. Auch die Art der Angst spielt eine Rolle. Wiederkehrende, plötzlich auftretende Panikattacken sprechen beispielsweise für ein anderes Beschwerdebild als anhaltende Sorgen über zahlreiche Lebensbereiche. Ängste, die hauptsächlich in sozialen Situationen auftreten, müssen wiederum anders eingeordnet werden. Genau deshalb sollte eine Diagnose nicht anhand einzelner Symptome oder eines Online-Selbsttests gestellt werden. Eine professionelle Abklärung betrachtet die Beschwerden als Ganzes – und schafft damit zugleich die Grundlage dafür, eine passende Behandlung zu finden.


Warum kann sich ständige Angst selbst verstärken?

Angst kann einen Kreislauf entwickeln, der sich zunehmend selbst aufrechterhält. Gedanken, körperliche Anspannung und der Wunsch nach Sicherheit beeinflussen sich dabei gegenseitig. Was kurzfristig beruhigt, kann langfristig sogar dazu beitragen, dass die Angst immer wieder zurückkehrt.


1. Wenn körperliche Symptome selbst Angst machen 

Angst löst körperliche Reaktionen aus. Gleichzeitig können genau diese Reaktionen wiederum zum Auslöser neuer Ängste werden. Das passiert besonders dann, wenn körperliche Veränderungen sehr aufmerksam beobachtet oder als Hinweis auf eine mögliche Gefahr interpretiert werden. Ein schnellerer Herzschlag ist dafür ein typisches Beispiel. Wer bemerkt, dass das Herz plötzlich kräftiger schlägt, fragt sich vielleicht sofort: Warum passiert das? Stimmt etwas mit mir nicht? Die Sorge erhöht die innere Anspannung, der Herzschlag beschleunigt sich möglicherweise weiter – und scheint damit die ursprüngliche Befürchtung zu bestätigen. Ähnlich kann es bei Schwindel, einem Engegefühl, Magenbeschwerden oder einer veränderten Atmung passieren. Je stärker die Aufmerksamkeit auf den Körper gerichtet ist, desto deutlicher können selbst kleine Veränderungen wahrgenommen werden. Werden sie anschließend als bedrohlich bewertet, steigt die Angst erneut. Das bedeutet nicht, dass körperliche Symptome „nur im Kopf“ entstehen. Die Beschwerden können durchaus real sein. Entscheidend ist vielmehr, dass sich körperliche Reaktion und ängstliche Bewertung gegenseitig verstärken können. Gerade deshalb ist eine medizinische Abklärung bei neuen oder auffälligen Beschwerden wichtig. Sind körperliche Ursachen ausgeschlossen, kann es anschließend hilfreich sein, gemeinsam mit Fachpersonen zu betrachten, welche Rolle Angst und die Bewertung körperlicher Empfindungen spielen.


2. Wenn Sorgen immer neue Sorgen erzeugen 

Auch auf gedanklicher Ebene kann ein ähnlicher Kreislauf entstehen. Sorgen vermitteln manchmal das Gefühl, sich auf mögliche Schwierigkeiten vorzubereiten. Wer ein Problem immer wieder durchdenkt, hofft vielleicht, irgendwann die eine Antwort zu finden, die endgültige Sicherheit gibt. Doch genau diese Sicherheit lässt sich bei vielen Fragen nicht erreichen. Niemand kann mit absoluter Gewissheit wissen, ob er in einigen Jahren gesund sein wird, wie sich eine berufliche Situation entwickelt oder ob einer nahestehenden Person niemals etwas passieren wird. Wird trotzdem versucht, jede Unsicherheit gedanklich auszuräumen, findet das Sorgen kaum einen natürlichen Endpunkt. Aus einer Frage entsteht dann schnell die nächste: Was, wenn ich etwas übersehen habe? Habe ich wirklich alles bedacht? Und was wäre, wenn es doch anders kommt? Kurzzeitig kann eine gefundene Erklärung beruhigen. Doch sobald eine neue Unsicherheit auftaucht, beginnt das Nachdenken erneut. Die Aufmerksamkeit bleibt dadurch stark auf mögliche Risiken und negative Entwicklungen gerichtet. Bei einer generalisierten Angststörung kann genau dieser Umgang mit Unsicherheit eine wichtige Rolle spielen. Das Ziel besteht deshalb nicht darin, für jede Sorge eine perfekte Antwort zu finden. In einer Therapie kann vielmehr daran gearbeitet werden, Unsicherheit besser auszuhalten und Sorgen anders zu begegnen.


3. Warum Rückversicherung und Vermeidung die Angst aufrechterhalten können 

Wenn Angst entsteht, ist der Wunsch nach Sicherheit verständlich. Manche Menschen fragen deshalb immer wieder nahestehende Personen nach deren Einschätzung, kontrollieren bestimmte Dinge mehrfach oder suchen im Internet nach Informationen, bis sie sich beruhigt fühlen. Andere vermeiden Situationen, von denen sie befürchten, dass sie neue Sorgen oder Angst auslösen könnten. Das Problem daran: Kurzfristig funktionieren solche Strategien häufig tatsächlich. Eine beruhigende Antwort, eine erneute Kontrolle oder das Vermeiden einer Situation kann die Angst zunächst reduzieren. Gerade diese Erleichterung kann jedoch dazu führen, dass das Verhalten beim nächsten Mal wiederholt wird. Das eigene Vertrauen, Unsicherheit auch ohne Kontrolle oder Rückversicherung auszuhalten, kann dadurch schwerer wachsen. Ähnlich verhält es sich mit Vermeidung. Wer einer befürchteten Situation aus dem Weg geht, erlebt nicht, wie sie tatsächlich verlaufen wäre. Die Vorstellung, dass etwas Schlimmes hätte passieren können, bleibt dadurch bestehen. Das bedeutet nicht, dass jede Rückversicherung oder jede vermiedene Situation problematisch ist. Entscheidend ist das Muster dahinter. Wenn immer mehr Sicherheit benötigt wird, Kontrollen häufiger werden oder der Alltag zunehmend nach möglichen Ängsten ausgerichtet wird, kann dieses Verhalten selbst Teil des Angstkreislaufs werden. Genau hier setzt eine psychotherapeutische Behandlung an: nicht indem jede Unsicherheit beseitigt wird, sondern indem Betroffene lernen, anders mit Sorgen, Angst und dem Bedürfnis nach vollständiger Sicherheit umzugehen.


Der Angstkreislauf


Was hilft, wenn die Angst nicht aufhört?

Ständige Angst lässt sich meist nicht dadurch beenden, dass man versucht, einfach weniger nachzudenken. Hilfreicher ist es, die eigenen Angst- und Sorgenmuster zu verstehen und gezielt zu verändern. Liegt eine generalisierte Angststörung vor, stehen dafür wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.


1. Die eigenen Angstmuster besser verstehen 

Angst fühlt sich häufig so an, als würde sie plötzlich auftauchen. Bei genauerer Betrachtung lassen sich jedoch oft wiederkehrende Muster erkennen. Bestimmte Gedanken, Situationen oder körperliche Empfindungen lösen Sorgen aus – und darauf folgen wiederum bestimmte Reaktionen. Es kann deshalb hilfreich sein, nicht nur darauf zu achten, wovor man Angst hat, sondern auch darauf, was anschließend passiert. Wird sofort nach einer Lösung gesucht? Werden andere Menschen um Beruhigung gebeten? Wird im Internet recherchiert oder eine Situation lieber vermieden? Gerade bei ständigen Sorgen ist außerdem interessant, welche Funktion das Nachdenken erfüllt. Manche Menschen haben beispielsweise das Gefühl, durch ihre Sorgen besser vorbereitet zu sein. Der Gedanke „Wenn ich alle Möglichkeiten durchspiele, kann mich nichts überraschen“ vermittelt kurzfristig ein Gefühl von Kontrolle. Das Problem ist, dass sich viele Unsicherheiten des Lebens nicht vollständig auflösen lassen. Der Versuch, trotzdem absolute Sicherheit herzustellen, kann deshalb selbst zum Teil des Sorgenkreislaufs werden. Die eigenen Muster zu erkennen bedeutet nicht, sich die Schuld für die Angst zu geben. Es schafft vielmehr die Möglichkeit, besser zu verstehen, was die Angst immer wieder antreibt und aufrechterhält.


2. Wie Psychotherapie bei ständiger Angst helfen kann 

Dabei geht es nicht einfach darum, negative Gedanken durch positive zu ersetzen. Gemeinsam wird vielmehr untersucht, wie Sorgen entstehen, welche Bewertungen dahinterstehen und mit welchen Strategien Betroffene bisher versuchen, ihre Angst zu kontrollieren. Ein wichtiger Ansatzpunkt kann beispielsweise der Umgang mit Unsicherheit sein. Wer ständig versucht, alle denkbaren Risiken auszuschließen, erlebt Unsicherheit möglicherweise zunehmend als etwas Bedrohliches. In der Therapie kann deshalb schrittweise gelernt werden, dass nicht jede offene Frage sofort beantwortet und nicht jedes mögliche Risiko kontrolliert werden muss. Auch typische Verhaltensweisen wie häufige Rückversicherung oder Vermeidung können betrachtet und verändert werden. Dadurch entstehen neue Erfahrungen: Eine Unsicherheit kann ausgehalten werden, ohne sie stundenlang gedanklich zu bearbeiten – und eine befürchtete Situation kann anders verlaufen als erwartet. Welche Methoden eingesetzt werden, richtet sich nach den individuellen Beschwerden. Ziel ist nicht, dafür zu sorgen, dass ein Mensch nie wieder Angst oder Sorgen empfindet. Vielmehr soll es wieder möglich werden, mit Unsicherheit umzugehen, ohne dass die Angst den Alltag bestimmt.


3. Welche Rolle Medikamente spielen können 

Bei einer generalisierten Angststörung können neben einer Psychotherapie auch Medikamente eingesetzt werden. Ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Stärke der Beschwerden, möglichen Begleiterkrankungen und der persönlichen Situation ab. Zum Einsatz kommen beispielsweise bestimmte Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI. Ihre angstlösende Wirkung setzt nicht unmittelbar nach der ersten Einnahme ein, sondern entwickelt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum. Da Medikamente Neben- und Wechselwirkungen haben können, sollten Auswahl, Dosierung und Behandlungsdauer immer ärztlich abgestimmt werden. Das gilt auch für das Absetzen: Eine bestehende Medikation sollte nicht eigenständig verändert oder beendet werden.


4. Was im Alltag zusätzlich unterstützen kann 

Neben einer professionellen Behandlung können verschiedene Gewohnheiten dazu beitragen, die allgemeine Belastung zu reduzieren. Sie behandeln eine Angststörung nicht allein, können aber einen stabileren Rahmen schaffen. Regelmäßige Bewegung kann beispielsweise helfen, körperliche Anspannung abzubauen. Ebenso wichtig ist ausreichend Erholung. Gerade wenn Sorgen bis in den Abend hineinreichen, kann Schlaf zu einem zusätzlichen Problem werden. Feste Schlafzeiten und möglichst ruhige Abendroutinen können dabei unterstützen, wieder mehr Regelmäßigkeit zu schaffen. Auch Entspannungs- oder Atemübungen können manchen Menschen helfen, körperliche Anspannung bewusster wahrzunehmen. Dabei sollte jedoch nicht das Gefühl entstehen, jede Angst sofort „wegatmen“ zu müssen. Angst darf zunächst vorhanden sein. Entscheidend ist vielmehr, einen anderen Umgang mit ihr zu entwickeln.

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