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Angststörung – Symptome, Ursachen und Behandlung

  • 14 Min. Lesezeit
Angststörung – Symptome, Ursachen und Behandlung

Wann wird Angst zur einer Angststörung?

Angst ist zunächst eine ganz normale Schutzreaktion. Sie hilft uns, Gefahren früh zu erkennen und schnell zu reagieren. Problematisch wird sie erst dann, wenn sie unverhältnismäßig stark wird, ohne klaren Anlass auftritt oder beginnt, den Alltag zunehmend einzuschränken.


1. Angst ist zunächst eine normale Schutzreaktion

Herzklopfen vor einer wichtigen Prüfung, ein mulmiges Gefühl in einer dunklen Straße oder Nervosität vor einem schwierigen Gespräch: Angst kann unangenehm sein, erfüllt aber eine wichtige Funktion. Sie macht uns aufmerksam und bereitet den Körper darauf vor, schnell auf eine mögliche Gefahr zu reagieren. Innerhalb kürzester Zeit wird der Organismus in Alarmbereitschaft versetzt. Der Herzschlag kann sich beschleunigen, die Atmung verändert sich und die Muskulatur spannt sich an. Gleichzeitig richtet sich die Aufmerksamkeit stärker auf mögliche Gefahren. Was im Alltag manchmal störend erscheint, war aus evolutionärer Sicht überlebenswichtig. Normalerweise lässt diese Reaktion wieder nach, sobald die Gefahr vorüber ist. Genau hier liegt ein wichtiger Unterschied zu einer Angststörung. Bei Betroffenen kann das innere Alarmsystem auch dann anspringen, wenn objektiv keine unmittelbare Gefahr besteht oder die Reaktion deutlich stärker ausfällt, als es die Situation erwarten ließe. Das bedeutet allerdings nicht, dass die empfundene Angst „eingebildet“ ist. Die körperliche und emotionale Reaktion ist real. Das Gehirn bewertet eine Situation lediglich als bedrohlicher, als sie tatsächlich sein muss.


2. Wenn die Angst beginnt, den Alltag zu bestimmen 

Eine Angststörung macht sich nicht allein daran fest, wie intensiv sich Angst anfühlt. Ebenso wichtig ist die Frage, was die Angst mit dem eigenen Leben macht. Am Anfang können die Veränderungen unscheinbar sein. Vielleicht wird eine volle Bahn vermieden, weil dort schon einmal starke Angst aufgetreten ist. Ein Vortrag wird lieber abgesagt, weil die Vorstellung, vor anderen zu sprechen, kaum auszuhalten scheint. Oder körperliche Beschwerden werden immer wieder kontrolliert, weil die Sorge besteht, ernsthaft krank zu sein. Kurzfristig kann das Vermeiden solcher Situationen Erleichterung bringen. Langfristig kann die Angst dadurch jedoch immer mehr Raum bekommen. Aus einer einzelnen vermiedenen Situation werden mehrere, Unternehmungen müssen zunehmend geplant werden und manche Betroffene beschäftigen sich bereits im Voraus damit, wo die nächste Angstsituation auftreten könnte. Eine Angststörung kann deshalb weit über einzelne Momente der Angst hinausgehen. Sie kann Arbeit, Beziehungen, Freizeit und Selbstständigkeit beeinträchtigen. Manche Menschen richten ihren Alltag irgendwann nicht mehr danach aus, was sie gerne tun möchten, sondern danach, wo sie möglichst keine Angst bekommen.


3. Welche Formen von Angststörungen gibt es? 

Angststörung ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen. Sie unterscheiden sich unter anderem darin, wodurch die Angst ausgelöst wird und wie sie sich im Alltag bemerkbar macht.

Bei einer generalisierten Angststörung stehen anhaltende und schwer kontrollierbare Sorgen im Vordergrund. Betroffene beschäftigen sich häufig mit unterschiedlichen Lebensbereichen – etwa Gesundheit, Familie, Arbeit oder finanzieller Sicherheit – und finden nur schwer aus den Sorgen heraus.

Bei einer Panikstörung treten dagegen wiederholt Panikattacken auf. Die Angst erreicht innerhalb kurzer Zeit eine sehr hohe Intensität und kann von ausgeprägten körperlichen Beschwerden begleitet werden. Häufig entwickelt sich zusätzlich die Sorge davor, wann die nächste Attacke auftreten könnte.

Eine soziale Angststörung betrifft vor allem Situationen, in denen Menschen befürchten, von anderen beobachtet, bewertet oder abgelehnt zu werden. Bei spezifischen Phobien richtet sich die Angst dagegen auf bestimmte Dinge oder Situationen – beispielsweise Spinnen, Höhe oder Fliegen. Bei einer Agoraphobie stehen Situationen im Vordergrund, aus denen eine Flucht schwierig erscheinen könnte oder in denen Hilfe im Notfall möglicherweise nicht unmittelbar verfügbar wäre.


Wie fühlt sich eine Angststörung an?

Angst spielt sich nicht nur im Kopf ab. Sie kann den gesamten Körper in Alarmbereitschaft versetzen, die Gedanken bestimmen und schließlich auch das eigene Verhalten verändern. Welche Beschwerden dabei im Vordergrund stehen, hängt unter anderem von der jeweiligen Form der Angststörung ab.

 

1. Wenn der Körper in Alarmbereitschaft gerät 

Plötzlich schlägt das Herz schneller, die Hände beginnen zu zittern oder der Atem fühlt sich ungewohnt kurz an. Manche Menschen verspüren Schwindel, Übelkeit oder ein Engegefühl in der Brust. Gerade wenn solche Beschwerden unerwartet auftreten, können sie zusätzlich verunsichern – und die Angst dadurch noch weiter verstärken. Hinter diesen körperlichen Reaktionen steckt zunächst ein sinnvoller Mechanismus. Nimmt das Gehirn eine mögliche Gefahr wahr, bereitet es den Körper darauf vor, schnell reagieren zu können. Herzschlag und Atmung können sich beschleunigen, die Muskulatur spannt sich an und die Aufmerksamkeit richtet sich verstärkt auf mögliche Bedrohungen. Bei einer Angststörung kann diese Alarmreaktion jedoch auftreten, obwohl keine entsprechende äußere Gefahr vorhanden ist. Die körperlichen Empfindungen sind deshalb trotzdem real. Besonders bei einer Panikattacke können sie so intensiv werden, dass Betroffene beispielsweise befürchten, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Welche körperlichen Beschwerden auftreten, ist individuell verschieden. Neben Herzrasen, Zittern, Schwitzen und Atembeschwerden können auch Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Manche Betroffene nehmen vor allem die körperlichen Symptome wahr und erkennen zunächst gar nicht, dass Angst dahinterstecken könnte. Gleichzeitig sollten neu auftretende oder ausgeprägte körperliche Beschwerden nicht vorschnell einer Angststörung zugeschrieben werden. Gerade Symptome wie Brustschmerzen oder Atemnot können auch andere Ursachen haben und sollten entsprechend medizinisch abgeklärt werden.


2. Wenn Sogen und Angst die Gedanken bestimmen 

Nicht jede Angststörung zeigt sich durch plötzlich auftretende Panik. Bei manchen Menschen entwickelt sich die Angst wesentlich leiser. Die Gedanken kreisen immer wieder um die Frage, was passieren könnte: Was, wenn ich krank werde? Was, wenn bei der Arbeit etwas schiefgeht? Was, wenn meiner Familie etwas passiert? Sich gelegentlich Sorgen zu machen, ist völlig normal. Bei einer Angststörung können Sorgen jedoch so häufig und intensiv werden, dass es schwerfällt, sie wieder loszulassen. Selbst wenn Betroffene rational wissen, dass ihre Befürchtungen unwahrscheinlich sind, lässt sich das Gefühl der Bedrohung nicht einfach abschalten. Je nach Form der Angststörung können die Gedanken sehr unterschiedlich aussehen. Bei einer generalisierten Angststörung stehen häufig anhaltende Sorgen über verschiedene Lebensbereiche im Vordergrund. Bei einer sozialen Angststörung kreisen die Gedanken eher darum, sich zu blamieren, negativ aufzufallen oder von anderen bewertet zu werden. Nach einer Panikattacke wiederum kann sich eine ausgeprägte Angst vor der nächsten Angst entwickeln. Diese ständige innere Wachsamkeit kann auf Dauer sehr anstrengend sein. Wer gedanklich immer wieder mögliche Gefahren durchspielt, findet häufig nur schwer zur Ruhe. Konzentration und Schlaf können darunter leiden, und selbst eigentlich entspannte Situationen werden zunehmend von Sorgen begleitet.


3. Wenn Vermeidung kurzfristig hilft – und langfristig zum Problem wird 

Wer Angst vor einer bestimmten Situation hat, versucht häufig ganz automatisch, diese zu vermeiden. Das ist zunächst nachvollziehbar: Wer nicht in die volle Bahn steigt, muss die befürchtete Panikattacke dort auch nicht erleben. Wer eine Einladung absagt, muss sich nicht mit der Angst auseinandersetzen, von anderen beurteilt zu werden. Und tatsächlich funktioniert diese Strategie kurzfristig. Sobald die angstauslösende Situation vermieden wird, lässt die Anspannung nach. Genau diese Erleichterung kann jedoch dazu beitragen, dass sich die Angst langfristig festigt. Denn durch die Vermeidung fehlt eine wichtige Erfahrung: dass die befürchtete Situation möglicherweise bewältigt werden kann und die Angst auch wieder nachlässt. Stattdessen kann sich die Überzeugung verstärken, dass die Situation tatsächlich gefährlich war und nur durch das Vermeiden nichts passiert ist. Mit der Zeit kann sich dieses Muster ausweiten. Zunächst wird vielleicht nur eine bestimmte Bahnstrecke vermieden, später der öffentliche Nahverkehr insgesamt. Aus der Angst vor einer einzelnen sozialen Situation kann der Rückzug von immer mehr Treffen entstehen. Der Alltag richtet sich zunehmend danach, welche Situationen sich möglichst sicher anfühlen. Gerade deshalb spielt Vermeidungsverhalten bei vielen Angststörungen eine wichtige Rolle. Es erklärt zugleich, warum bestimmte psychotherapeutische Verfahren nicht ausschließlich darauf abzielen, Angst möglichst schnell verschwinden zu lassen. Stattdessen geht es auch darum, wieder neue Erfahrungen mit Situationen zu machen, die bisher aus Angst vermieden wurden.


Warum entstehen Angststörungen?

Warum manche Menschen eine Angststörung entwickeln und andere nicht, lässt sich meist nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Vielmehr kommen unterschiedliche Faktoren zusammen. Neben einer gewissen Veranlagung können persönliche Erfahrungen, erlernte Verhaltensmuster und länger anhaltende Belastungen beeinflussen, wie empfindlich das eigene Alarmsystem auf mögliche Gefahren reagiert.


1. Warum es meistens nicht die eine Ursache gibt 

Nach einer Angststörung suchen Betroffene häufig nach einer konkreten Erklärung. War es eine besonders belastende Lebensphase? Liegt es in der Familie? Oder hat ein bestimmtes Erlebnis die Angst ausgelöst? In vielen Fällen gibt es darauf keine eindeutige Antwort. Heute geht man vielmehr davon aus, dass Angststörungen durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren entstehen können. Dazu gehören unter anderem genetische Einflüsse, individuelle Lernerfahrungen, die persönliche Verarbeitung von Belastungen und biologische Mechanismen der Angstregulation. Auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können dazu beitragen, dass ein Mensch empfindlicher auf Unsicherheit oder mögliche Gefahren reagiert. Eine familiäre Häufung bedeutet dabei nicht, dass eine Angststörung zwangsläufig vererbt wird. Vielmehr kann eine gewisse Anfälligkeit bestehen, auf die weitere Faktoren treffen. Zwei Menschen können deshalb dieselbe belastende Situation erleben und vollkommen unterschiedlich darauf reagieren. Auch die häufig verwendete Erklärung eines einfachen „Ungleichgewichts der Botenstoffe“ greift zu kurz. Botenstoffe wie Serotonin sind zwar an Prozessen beteiligt, die Stimmung und Angst beeinflussen. Die Entstehung einer Angststörung lässt sich jedoch nicht auf einen einzelnen Botenstoff reduzieren.


2. Welche Rolle belastende Erfahrungen spielen können 

Manchmal lässt sich der Beginn einer Angst deutlich mit einer belastenden Erfahrung verbinden. Ein Unfall kann beispielsweise dazu führen, dass Autofahren anschließend große Angst auslöst. Nach einer schweren Erkrankung kann die Sorge um die eigene Gesundheit stärker werden. Auch Verluste, Gewalt oder andere traumatische Erfahrungen können das Sicherheitsempfinden langfristig verändern. Das Gehirn besitzt die Fähigkeit, aus solchen Erfahrungen zu lernen. Wird eine Situation mit großer Angst oder Gefahr verbunden, können später bereits ähnliche Situationen eine Alarmreaktion hervorrufen. Dabei muss die ursprüngliche Gefahr gar nicht mehr vorhanden sein. Bestimmte Orte, Körperempfindungen oder Gedanken können ausreichen, um die erlernte Angst erneut zu aktivieren.

Doch nicht hinter jeder Angststörung steckt ein Trauma. Bei manchen Menschen entwickelt sich die Erkrankung schleichend und ohne ein einzelnes Ereignis, das sich eindeutig als Ursache benennen lässt. Auch viele kleinere Belastungen oder bestimmte Lernerfahrungen können eine Rolle spielen. Entscheidend ist deshalb weniger die Frage, ob es das eine Erlebnis gab. Vielmehr geht es darum zu verstehen, welche Erfahrungen die eigene Wahrnehmung von Gefahr geprägt haben und welche Reaktionen heute dazu beitragen, dass die Angst bestehen bleibt.


3. Warum anhaltender Stress Angst verstärken kann 

Eine anspruchsvolle Arbeitsphase, Konflikte in der Familie, finanzielle Sorgen oder dauerhaft zu wenig Erholung können dazu führen, dass Körper und Psyche über längere Zeit angespannt bleiben. Normalerweise wechseln Phasen der Aktivierung mit Zeiten ab, in denen sich der Organismus wieder erholen kann. Fehlen diese Erholungsphasen, kann sich die innere Anspannung zunehmend bemerkbar machen. Das kann auch beeinflussen, wie intensiv Ängste wahrgenommen werden. Wer ohnehin erschöpft und angespannt ist, reagiert möglicherweise empfindlicher auf körperliche Veränderungen oder belastende Gedanken. Gleichzeitig können Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und innere Unruhe hinzukommen – Beschwerden, die wiederum selbst verunsichern können. Stress allein bedeutet jedoch nicht, dass zwangsläufig eine Angststörung entsteht. Er kann vielmehr einer von mehreren Faktoren sein, die bei entsprechender Anfälligkeit zur Entstehung oder Aufrechterhaltung von Ängsten beitragen.


Wie werden Angststörungen behandelt?

Angststörungen lassen sich in der Regel gut behandeln. Welche Therapie geeignet ist, hängt unter anderem von der Art der Angststörung, ihrer Ausprägung und der persönlichen Situation ab. Eine wichtige Rolle spielt die Psychotherapie. Je nach Beschwerden können auch Medikamente eingesetzt und durch unterstützende Maßnahmen im Alltag ergänzt werden.


1. Warum Psychotherapie bei Angststörungen helfen kann 

Viele Betroffene wissen eigentlich, dass ihre Angst in bestimmten Situationen unverhältnismäßig stark ist. Dieses Wissen allein reicht jedoch häufig nicht aus, um die Angst zu verändern. Schließlich entsteht sie nicht nur auf der rationalen Ebene. Gedanken, körperliche Reaktionen und erlernte Verhaltensmuster greifen ineinander und können sich gegenseitig verstärken.  Genau an diesen Zusammenhängen setzt die Psychotherapie an. Besonders gut untersucht ist bei Angststörungen die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernen Betroffene zunächst, ihre Angstreaktionen besser zu verstehen: Welche Situationen lösen Angst aus? Welche Gedanken treten dabei auf? Wie reagiert der Körper – und was tue ich, damit die Angst möglichst schnell wieder verschwindet? Dabei können beispielsweise Gedanken wie „Ich halte das nicht aus“ oder „Bestimmt passiert gleich etwas Schlimmes“ genauer betrachtet werden. Ziel ist nicht, sich einfach einzureden, dass alles gut wird. Vielmehr geht es darum, automatische Bewertungen zu erkennen, zu überprüfen und einen anderen Umgang mit ihnen zu entwickeln. Ebenso wichtig ist das eigene Verhalten. Wie bereits beschrieben, kann Vermeidung kurzfristig Erleichterung verschaffen und die Angst langfristig dennoch aufrechterhalten. Deshalb geht es in der Therapie häufig darum, bisher vermiedene Situationen schrittweise wieder bewältigen zu lernen. Psychotherapie soll Angst also nicht einfach „wegmachen“. Betroffene lernen vielmehr, ihre Reaktionen besser zu verstehen, anders mit der Angst umzugehen und nach und nach wieder mehr Handlungsspielraum zurückzugewinnen.


2. Warum die Konfrontation mit der Angst Teil der Therapie sein kann 

Sich ausgerechnet mit einer Situation auseinanderzusetzen, vor der man große Angst hat, klingt zunächst widersprüchlich. Bei verschiedenen Angststörungen ist die sogenannte Exposition oder Konfrontation jedoch ein wichtiger Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie. Der Gedanke dahinter lässt sich am Kreislauf der Vermeidung verstehen. Wer eine angstauslösende Situation immer wieder vermeidet, erlebt zwar kurzfristig Erleichterung. Gleichzeitig fehlen jedoch Erfahrungen, die die bisherige Einschätzung der Situation verändern könnten. In einer fachlich begleiteten Exposition setzen sich Betroffene deshalb gezielt mit angstauslösenden Situationen oder Reizen auseinander. Dabei können sie erfahren, dass Angst ausgehalten werden kann und befürchtete Folgen häufig nicht eintreten. Mit der Zeit können dadurch neue Lernerfahrungen entstehen.

Wie eine solche Konfrontation aussieht, hängt stark von der jeweiligen Angststörung und der individuellen Situation ab. Bei sozialer Angst geht es beispielsweise um andere Situationen als bei einer spezifischen Phobie oder Panikstörung. Expositionsübungen sollten deshalb nicht als allgemeine Aufforderung verstanden werden, sich möglichst schnell der größten Angst auszusetzen. Sie werden im therapeutischen Rahmen individuell vorbereitet und gestaltet. Das Ziel besteht letztlich nicht darin, nie wieder Angst zu empfinden. Vielmehr soll die Angst ihren bestimmenden Einfluss verlieren – sodass Entscheidungen wieder stärker danach getroffen werden können, was einem wichtig ist, und weniger danach, was sich vermeiden lässt.


3. Welche Rolle Medikamente spielen können 

Neben einer Psychotherapie können bei Angststörungen auch Medikamente infrage kommen. Ob sie sinnvoll sind, hängt unter anderem von der Art und Schwere der Beschwerden, möglichen Begleiterkrankungen und den persönlichen Voraussetzungen ab. Zu den Medikamenten, die bei verschiedenen Angststörungen eingesetzt werden, gehören bestimmte Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und teilweise Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Obwohl sie als Antidepressiva bezeichnet werden, werden sie auch zur Behandlung bestimmter Angststörungen eingesetzt. Ihre Wirkung tritt in der Regel nicht unmittelbar ein. Es kann einige Zeit dauern, bis eine Verbesserung bemerkbar wird. Auch mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen müssen berücksichtigt werden. Auswahl, Dosierung und Dauer einer medikamentösen Behandlung gehören deshalb in ärztliche Hände.

Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine können Angst zwar kurzfristig reduzieren, sind für eine längerfristige Behandlung jedoch unter anderem wegen ihres Abhängigkeitspotenzials problematisch. Auch deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten gegen Angst niemals eigenständig begonnen, verändert oder beendet werden. Ob Psychotherapie allein oder eine Kombination mit Medikamenten sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Behandlung sollte sich vielmehr an der jeweiligen Erkrankung und den Bedürfnissen der betroffenen Person orientieren.


4. Was Du selbst unterstützend tun kannst 

Auch außerhalb einer Therapie gibt es Möglichkeiten, den Umgang mit Angst zu unterstützen. Sie ersetzen bei einer behandlungsbedürftigen Angststörung keine professionelle Behandlung, können aber dabei helfen, körperliche Anspannung zu reduzieren und den Alltag stabiler zu gestalten. Regelmäßige Bewegung kann beispielsweise einen Ausgleich zu längeren Phasen innerer Anspannung schaffen. Auch ausreichend Schlaf und möglichst regelmäßige Tagesabläufe sind wichtig, weil Erschöpfung und Schlafmangel dazu beitragen können, dass Belastungen intensiver wahrgenommen werden. Entspannungs- und Atemübungen können ebenfalls hilfreich sein. Dabei geht es weniger darum, jede aufkommende Angst sofort zu unterdrücken. Vielmehr können solche Methoden helfen, körperliche Anspannung bewusster wahrzunehmen und einen ruhigeren Umgang damit zu entwickeln. Auch der Austausch mit anderen kann entlasten. Selbsthilfegruppen bieten beispielsweise die Möglichkeit, Erfahrungen mit Menschen zu teilen, die ähnliche Ängste kennen. Gleichzeitig kann es hilfreich sein, nahestehende Personen darüber zu informieren, was in belastenden Situationen unterstützt – und was eher dazu beiträgt, Vermeidung weiter zu verstärken.


Wann solltest Du Dir bei Angst professionelle Hilfe holen?

Angst muss nicht erst unerträglich werden, bevor Unterstützung sinnvoll ist. Ein wichtiges Signal ist vielmehr, wenn Ängste über längere Zeit bestehen, immer mehr Raum einnehmen oder dazu führen, dass der Alltag zunehmend nach ihnen ausgerichtet wird. Je früher solche Muster erkannt werden, desto eher kann gezielt gegengesteuert werden.


1. Wenn Angst das eigene Leben zunehmend einschränkt 

Viele Menschen versuchen zunächst, mit ihrer Angst allein zurechtzukommen. Das gelingt bei vorübergehenden Ängsten häufig gut. Schwieriger wird es, wenn sich das eigene Verhalten nach und nach verändert: bestimmte Orte werden gemieden, Einladungen abgesagt oder alltägliche Situationen nur noch mit großer Anspannung bewältigt. Auch anhaltende Sorgen können belastend werden, selbst wenn keine ausgeprägten Panikattacken auftreten. Wenn Gedanken über mögliche Gefahren kaum noch zur Ruhe kommen, der Schlaf darunter leidet oder es zunehmend schwerfällt, sich auf andere Dinge zu konzentrieren, sollte das ernst genommen werden.


2. Wo Betroffene Unterstützung finden 

Eine erste Anlaufstelle kann die hausärztliche Praxis sein. Dort können Beschwerden besprochen und mögliche körperliche Ursachen abgeklärt werden. Je nach Situation kann anschließend eine weitere Behandlung oder Diagnostik empfohlen werden.

Auch eine psychotherapeutische Sprechstunde bietet die Möglichkeit, die Beschwerden genauer einzuordnen. Dabei wird gemeinsam betrachtet, welche Ängste auftreten, seit wann sie bestehen und wie stark sie den Alltag beeinflussen. Daraus lässt sich ableiten, welche weitere Unterstützung sinnvoll sein könnte.

Bei ausgeprägten oder komplexen Beschwerden können außerdem Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie spezialisierte Ambulanzen oder Kliniken wichtige Ansprechpartner sein.

Der Schritt, sich Unterstützung zu suchen, bedeutet dabei nicht, dass die Angst bereits ein bestimmtes Ausmaß erreicht haben muss. Wer merkt, dass Sorgen, Panik oder Vermeidung zunehmend Lebensqualität kosten, darf sich auch dann beraten lassen, wenn noch Unsicherheit darüber besteht, was genau hinter den Beschwerden steckt. Entscheidend ist letztlich nicht, möglichst lange allein mit der Angst zurechtzukommen. Ziel einer Behandlung ist vielmehr, wieder mehr Freiheit im Alltag zu gewinnen – sodass nicht die Angst bestimmt, welche Orte man besucht, welche Menschen man trifft oder welche Entscheidungen man für das eigene Leben trifft.

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