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Lagom: Warum weniger oft mehr für dein Wohlbefinden ist

  • 4 Min. Lesezeit
Lagom: Warum weniger oft mehr für dein Wohlbefinden ist

Lagom: Die schwedische Glücksformel für ein Leben in Balance

Wir alle sind ständig auf der Suche nach dem großen Glück – sei es im Beruf, in der Liebe oder im alltäglichen Leben. Doch gibt es dafür eigentlich eine universelle Formel? Wenn man die Schweden fragt, lautet die Antwort ganz klar: Ja!

Ihr Geheimnis heißt „Lagom". Das Wort lässt sich am besten mit „nicht zu viel, nicht zu wenig" oder schlicht „genau richtig" übersetzen. Es beschreibt die Kunst, die goldene Mitte zu finden und ein Leben in perfekter Balance zu führen.

1. Der Becher der Wikinger: Woher kommt der Begriff?

Der Legende nach reicht die Geschichte dieses Lebensgefühls weit zurück bis in die Zeit der Wikinger. Wenn die skandinavischen Krieger abends zusammensaßen, reichten sie den gemeinsamen Trinkkrug in der Runde herum. Das schwedische Wort für Mannschaft oder Team lautet „lag", das Wort für „herum" ist „om".

Aus „laget om" (einmal rund um die Mannschaft) wurde im Laufe der Jahrhunderte das Wort „Lagom". Schon damals galt die unausgesprochene Regel: Jeder durfte nur so viel trinken, dass es am Ende für alle in der Gruppe ausreichte. Mäßigung und Gemeinschaftssinn waren also von Anfang an fest im Konzept verankert.

2. Was sagt die Wissenschaft? Der Beweis im Glücksbericht

Dass dieses Prinzip der Mäßigung tatsächlich funktioniert, zeigt sich Jahr für Jahr auf internationaler Ebene. Im weltweiten World Happiness Report, der Faktoren wie das persönliche Wohlbefinden, die Lebenserwartung, das Bruttoinlandsprodukt und das soziale Netz misst, landen die skandinavischen Länder – und insbesondere Schweden – verlässlich unter den Top Ten.

3. Die glückliche Mitte: Zufriedenheit im Hier und Jetzt

Lagom bedeutet, sich von der permanenten Sehnsucht nach dem „Höher, Schneller, Weiter" abzuwenden. Es schaut auf das, was bereits da ist, und feiert die Genügsamkeit. Die Schweden nehmen sich bewusst Zeit für die kleinen Momente, genießen den Augenblick und jagen nicht unrealistischen Idealen hinterher. Sie haben verstanden: Wer das rechte Maß findet, findet auch das Glück.

7 Tipps: So bringst du Lagom in deinen Alltag

Lagom ist das Herzstück des schwedischen Lebensstils. Es verbindet soziales Bewusstsein, Nachhaltigkeit und ein gesundes Augenmaß. Das Schöne daran: Du musst dein Leben nicht komplett auf den Kopf stellen, um von dieser Philosophie zu profitieren. Schon kleine Veränderungen in verschiedenen Lebensbereichen bewirken Großes.

1. Pausen zelebrieren: Die Kunst der „Fika"

Für die Schweden ist es eine Selbstverständlichkeit, gut für sich selbst zu sorgen und eine gesunde Work-Life-Balance zu halten. Ein fest verankertes Ritual im Alltag ist die „Fika" – eine bewusste Kaffeepause, meist in Gesellschaft von Kollegen, Freunden oder der Familie, oft begleitet von einer Zimtschnecke (Kanelbulle).

2. Lagom im Job: Keine Überstunden für das Ego

Auch in der schwedischen Arbeitswelt ist Lagom fest verankert. Sich durch ständige Überstunden zu glänzen, gilt nicht als erstrebenswert. Stattdessen zählen flache Hierarchien, Entscheidungen im Team und absolute Pünktlichkeit zum Feierabend. Fleiß im Job ist wichtig, aber genauso wichtig ist die Zeit für Familie, Hobbys und Erholung.

3. Lagom auf dem Teller: Genuss ohne Verzicht

In der Küche bedeutet Lagom, nachhaltig und gesund zu leben – ohne dass der Genuss zu kurz kommt. Es geht darum, genau so viel zu essen, bis man angenehm gesättigt ist, und Lebensmittelverschwendung strikt zu vermeiden.

4. Minimalismus beim Wohnen und Kleiden

Auch in den eigenen vier Wänden gilt: weder zu viel noch zu wenig. Ein überladenes Zuhause und ein chaotischer Kleiderschrank sorgen oft für unbewussten Stress und schlechte Laune.

  • Im Zuhause: Reduziere Möbel und Dekoration auf das Wesentliche. Setze auf harmonische, sanfte Farben. Ein Lagom-Zuhause atmet und wirkt beruhigend.
  • Im Kleiderschrank: Nutze das Prinzip der „Capsule Wardrobe". Statt Bergen von Fast-Fashion-Kleidung besitzt du lieber wenige, aber dafür hochwertige Kleidungsstücke, die sich zeitlos und vielseitig miteinander kombinieren lassen.

5. Der Natur nur so viel nehmen, wie man braucht

Ein zentraler Pfeiler von Lagom ist der respektvolle Umgang mit der Umwelt. Das bedeutet: Konsum mit Augenmaß. Anstatt ständig neuen Trends hinterherzujagen, setzt man auf Langlebigkeit, Upcycling und Second-Hand. Lagom ist damit die Absage an die Wegwerfgesellschaft und zeigt, dass ein nachhaltigerer Lebensstil nicht mit schmerzhaftem Verzicht, sondern mit einem guten Gewissen einhergeht.

6. Ein faires Miteinander: Die Lagom-Gesellschaft

Egal ob in der überfüllten U-Bahn, im zähen Meeting oder an der langen Supermarktkasse: Unser Alltag ist oft von wegschauenden Menschen, Stress oder leisem Augenrollen geprägt. Die schwedische Gesellschaft setzt hier einen Gegenpol.

7. Der Frischekick am Morgen: „Morgondopp"

Viele Schweden beginnen ihren Tag mit einem „Morgondopp", einem kurzen, erfrischenden Bad im nächstgelegenen See oder im Meer – und das oft das ganze Jahr über.

Überblick – Lagom im Alltag

Kleine Impulse für noch mehr Balance im Leben

1. Nutze, was schon da ist

Reparieren statt neu kaufen schont den Geldbeutel und die Umwelt.

2. Ab in die Natur

Verbringe jeden Tag ein paar Minuten an der frischen Luft, um dich zu erden.

3. Digital Detox

Gönne dir feste Auszeiten von Smartphone, Social Media und ständiger Erreichbarkeit.

4. Gelassenheit im Verkehr

Fahre mit einer maßvollen, entspannten Geschwindigkeit – das schont die Nerven aller Beteiligten.

5. Kenne deine Grenzen

Sag öfter mal „Nein", wenn deine eigenen Energiereserven erschöpft sind. Besonders wer unter Burnout leidet, profitiert von solchen bewussten Grenzen.

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