Heilpflanze

Cannabis

[Cannabis sativa]

Cannabis

Der Hanf ist eine der ältesten Heilpflanzen. Mit der Entdeckung des Cannabinoid-Systems hat Cannabis medizinisch ein Renaissance erlebt.

Spannende Fakten zu Cannabis

Cannabis überrascht mit Eigenschaften weit über seine bekannte Reputation hinaus.

  • Cannabis-Fasern waren Grundlage für Kleidung und Seile – Gutenberg druckte seine Bibel auf Hanfpapier.
  • Aus Hanf lässt sich ein vollständig recycelbarer Kunststoff herstellen.
  • Unser Gehirn besitzt spezielle Cannabinoid-Rezeptoren – ein eigenes System für die Pflanzenwirkstoffe.

Wirkung & Eigenschaften

Der Körper besitzt ein eigenes Cannabinoid-Rezeptorsystem im ganzen Körper. THC und CBD docken an diesen Rezeptoren an und beeinflussen Schmerz, Stressmechanismen, Muskelspannung und Verdauung. Wirkstoffe: 113 Cannabinoide inkl. THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol), Terpene, Flavonoide. THC konzentriert sich in der weiblichen Blüte – in den Samen ist kein THC enthalten.

Eigenschaften: schmerzlindernd, entspannend, entkrampfend, appetitanregend, beruhigend, euphorisierend.

Cannabis: Eigenschaften, Anwendung & Wirkung
Cannabis: Eigenschaften, Anwendung & Wirkung

Anwendungsbereiche

Das Cannabinoid-System verteilt seine Rezeptoren im gesamten Körper – daher das breite Wirkungsspektrum.

Cannabis als Schmerzmittel

Chronische Schmerzen entstehen, wenn Schmerzsignale im Nervensystem dauerhaft aktiviert bleiben – konventionelle Schmerzmittel verlieren oft ihre Wirkung. Cannabis greift über Cannabinoid-Rezeptoren direkt in die Schmerzverarbeitung im Gehirn und Rückenmark ein. Es ist eine zuverlässige Alternative zu Opiaten mit geringerem Suchtpotenzial und weniger Nebenwirkungen. Besonders wirksam bei chronischen Schmerzerkrankungen wie Fibromyalgie.

Cannabis sativa bei Kopfschmerzen

Viele Kopfschmerzarten entstehen durch Stress und übermäßige Anspannung des Nervensystems. Cannabis beeinflusst über Cannabinoid-Rezeptoren im Zentralnervensystem die Stressverarbeitung direkt – die nervliche Anspannung lässt nach, die Blutgefäße entspannen sich und der Kopfschmerz geht zurück.

Cannabis bei Periodenbeschwerden

Periodenkrämpfe entstehen durch unwillkürliche, schmerzhafte Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur. Cannabis wirkt über das Cannabinoid-System entspannend auf die glatte Muskulatur – die Krämpfe werden milder, der Schmerz nimmt ab. Auch die emotionalen Begleiterscheinungen des Zyklus werden durch die beruhigende Wirkung gemildert.

Cannabis sativa bei Multipler Sklerose

Bei Multipler Sklerose greift das eigene Immunsystem die Myelinscheiden der Nerven an – Nerven werden überreizbar, unkontrollierte Bewegungen und Krämpfe entstehen. Cannabis dämpft die Überreizbarkeit der Nerven direkt im Zentralnervensystem über Cannabinoid-Rezeptoren. Unwillkürliche Bewegungen, Zittern und Spastik werden gelindert.

Cannabis bei Parkinson

Der Ruhetremor bei Parkinson entsteht durch ein Ungleichgewicht der Nervenbotenstoffe in den Basalganglien. Studien zeigen, dass Cannabis eine gute Wirkung auf den Ruhetremor hat: Es beruhigt die nervliche Erregbarkeit durch Reduktion der Signalübertragung über Cannabinoid-Rezeptoren. Die Bewegungskontrolle verbessert sich.

Cannabis sativa bei Appetitlosigkeit

Das Cannabinoid-System reguliert unter anderem das Hungergefühl. Bei schweren Erkrankungen, Chemotherapie oder anhaltender Erschöpfung kann der Appetit vollständig verloren gehen. Cannabis regt über Cannabinoid-Rezeptoren das Hunger- und Verdauungssystem an – das Hungergefühl kehrt zurück und die Nahrungsaufnahme verbessert sich. Besonders bedeutsam bei Krebspatienten.

Cannabis bei Übelkeit

Übelkeit entsteht durch Signale aus dem Magen-Darm-Trakt, die über das Nervensystem ans Gehirn weitergeleitet werden. Cannabis greift in diese Signalkette über Cannabinoid-Rezeptoren ein – die Übelkeitssignale werden gedämpft, der Brechreiz lässt nach und der Appetit kehrt zurück. Besonders wirksam bei chemotherapiebedingter Übelkeit.

Cannabis bei Asthma

Bei psychogenem Asthma ist Stress der auslösende Faktor für die Bronchienverengung. Cannabis entspannt die Bronchienmuskulatur durch Reduktion des Stressmechanismus im Gehirn über Cannabinoid-Rezeptoren. Die Atemwege öffnen sich wieder, das Atmen wird freier.

Hinweise zur Anwendung

Als homöopathische oder spagyrische Zubereitung. Als Medizin in Deutschland verschreibungspflichtig.

Schwangerschaft & Stillzeit

Hanfblüten (THC): in Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwenden. Hanfsamen als Nahrungsmittel: bedenkenlos. CBD-Öl: abgeraten – keine ausreichenden Studien.

THC und Samen

THC konzentriert sich in der weiblichen Blüte – in den Samen ist kein THC enthalten. Hanfsamen als Nahrungsmittel sind daher bedenkenlos.

Pflanzensteckbrief

  • Botanischer Name: Cannabis sativa
  • Pflanzenfamilie: Hanfgewächse (Cannabaceae)
  • Weitere Bezeichnungen: Hanf, Marihuana
  • Blütezeit: Juli bis August
  • Herkunft: Ursprünglich Kasachstan
  • Giftigkeit: Schwach giftig