Heilpflanze

Alraune

[Mandragora officinalis]

Alraune

Die Alraune ist eine der sagenumwobensten Heilpflanzen überhaupt. Im späten Mittelalter war der Höhepunkt ihres Mythos erreicht – ihr Gewicht wurde teils in Gold aufgewogen, man hielt sie für ein Zwitterwesen zwischen Pflanze und magischer Kreatur. Was dahinter steckt, ist botanisch faszinierend: Die Wurzeln bilden menschenähnliche Formen aus und verströmen einen süßlich-narkotischen Duft mit tierischer Schwefelnote. Diese Eigenheit machte sie zur begehrtesten Zauberpflanze Europas – und zu einem der ältesten Schmerzmittel der Antike.

Spannende Fakten zu Alraune

Kaum eine Pflanze ist so tief in die europäische Mythologie eingewoben wie die Alraune – und kaum eine verbindet so eindrucksvoll uraltes Wissen mit naturheilkundlicher Wirkung.

  • Der Sage nach soll die Alraune beim Herausreißen aus dem Boden einen tödlichen Schrei ausstoßen – nur ein an einen Hund gebundenes Seil galt als sicheres Erntewerkzeug.
  • Im Mittelalter glaubte man, die Alraune wachse aus den Körpersäften Gehängter und Ermordeter – so groß war die Ehrfurcht vor ihrer Wirkung.
  • Wer eine Alraunenwurzel besaß und sie pflegte – manchmal mit Milch und Blut –, sollte dauerhaftes Glück haben.

Wirkung & Eigenschaften

Die Wirkung der Alraune geht auf ihre Tropanalkaloide zurück – allen voran Hyoscyamin und Scopolamin. Diese Wirkstoffe entfalten eine anticholinerge, parasympatholytische Wirkung im vegetativen Nervensystem: Sie hemmen den Botenstoff Acetylcholin, entspannen glatte Muskulatur, erweitern Blutgefäße und hemmen Entzündungsprozesse. In der Naturheilkunde wird die Alraune wegen ihrer starken Wirkstoffkonzentration ausschließlich homöopathisch oder spagyrisch eingesetzt – in dieser Form entfaltet sie ihre therapeutischen Eigenschaften ohne toxische Wirkung.

Ihre Eigenschaften: gefäßerweiternd, entzündungshemmend, anti-arthrotisch, anti-rheumatisch, krampflösend, schmerzlindernd.

Alraune: Eigenschaften, Anwendung & Wirkung
Alraune: Eigenschaften, Anwendung & Wirkung

Anwendungsbereiche

Die Einsatzgebiete der Mandragora officinalis leiten sich direkt von ihrer Alkaloidwirkung ab. Der Schwerpunkt liegt im rheumatisch-arthrotischen Bereich – darüber hinaus wirkt sie auf Atemwege, Verdauung und das vegetative Nervensystem.

Alraune bei Gelenkschmerzen und Arthrose

Bei chronischen Gelenkschmerzen und Arthrose ist der Stoffwechsel im Gelenk oft so gedrosselt, dass die Selbstheilungskräfte nicht mehr greifen. Die Mandragora regt die Durchblutung der betroffenen Strukturen wieder an, bringt den Stoffwechsel auf Touren und gibt dem Körper die Chance zur Regeneration. Im Gelenk kann wieder Gelenkschmiere gebildet werden – die Beschwerden lassen nach.

Mandragora officinalis bei Rheuma

Bei rheumatischen Beschwerden hemmt die Alraune Entzündungen, lässt Schwellungen zurückgehen und lindert Schmerzen. Sie wird meist lokal und äußerlich eingesetzt, um das betroffene Gewebe gezielt zu beruhigen.

Alraune bei Asthma

Bei Asthma bronchiale sind die Bronchien verengt, überdurchblutet und produzieren mehr Schleim. Die Alkaloide der Alraune wirken regulierend auf die Blutgefäße im Zentralnervensystem – die Verengung der Atemwege schwächt sich ab, das Atmen wird freier.

Mandragora officinalis bei Bronchitis

Auch bei entzündlicher Bronchitis können sich die Atemwege verengen. Die anticholinerge Wirkung lässt die entzündungsbedingte Mehrdurchblutung zurückgehen, die Schleimbildung nimmt ab und das Atmen fällt wieder leichter.

Alraune bei Koliken

Die anticholinerge Wirkung entspannt die Darmmuskulatur direkt: Acetylcholin, das die Muskulatur zur Kontraktion antreibt, wird gehemmt. Darmkrämpfe lassen nach und das Wohlbefinden stellt sich wieder ein.

Alraune bei Kopfschmerzen

Viele Kopfschmerzarten hängen direkt mit der Spannung der Blutgefäße zusammen. Die Alkaloide der Mandragora regulieren die Gefäßstellung auf ein physiologisches Maß – die Schmerzen bessern sich.

Alraune bei Leber-Galle-Störungen

Die Gallengänge sind mit glatter Muskulatur ausgekleidet und können krampfen. Die Mandragora entspannt über das Zentralnervensystem die Muskulatur der Gallengänge, sodass die Verdauung wieder in Fluss kommt.

Mandragora officinalis bei Depressionen

Bei Depressionen wird die Alraune eingesetzt, wenn Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit im Vordergrund stehen. Die aufputschende, anregende Wirkung auf das vegetative Nervensystem hebt den Antrieb und gibt dem Betroffenen Kraft und Belastbarkeit zurück.

Hinweise zur Anwendung

Die Alraune wird in der Naturheilkunde homöopathisch ab der D4-Potenz oder als spagyrisches Mittel eingesetzt. Nur Salbenzubereitungen der anthroposophischen Therapierichtung weisen eine 5%ige Konzentration auf – für die äußere Anwendung. Da die Beschwerden meist chronischen Charakter haben, kommen die Präparate in der Regel über einen längeren Zeitraum zum Einsatz.

Schwangerschaft & Stillzeit

Eine orale Anwendung in der Schwangerschaft sollte therapeutisch begleitet werden. Tiefe Potenzen unterhalb der D12 werden in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit Arzt oder Heilpraktiker eingesetzt.

Pflanzensteckbrief

Ein kompakter Überblick über Herkunft, Familie und botanische Merkmale von Mandragora officinalis.

  • Botanischer Name: Mandragora officinalis
  • Pflanzenfamilie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
  • Weitere Bezeichnungen: Galgenmännchen, Erdmännchen, Zauberwurzel, Hexenkraut, Dollwurz
  • Blütezeit: März/April oder Oktober/November
  • Herkunft: Mittelmeerraum, Orient
  • Giftigkeit: Stark giftig