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Was ist ADHS? Ursachen, Symptome und Behandlung

  • 5 Min. Lesezeit
Was ist ADHS? Ursachen, Symptome und Behandlung

Woran erkennt man ADHS?

Viele Menschen denken bei ADHS sofort an ein unruhiges Kind, das nicht still sitzen kann und ständig abgelenkt ist. Tatsächlich ist die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung jedoch deutlich vielfältiger. Nicht jeder Betroffene ist hyperaktiv, und auch Erwachsene können unter ADHS leiden – oft ohne es lange zu wissen. Die Symptome können sich je nach Alter, Lebenssituation und Person unterschiedlich äußern. Um ADHS besser zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die typischen Merkmale der Erkrankung.

 

1. Die drei Kernsymptome von ADHS 

ADHS zeichnet sich durch drei Hauptsymptome aus: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Nicht alle Betroffenen zeigen alle drei Bereiche gleich stark. Manche haben vor allem Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit zu steuern, während bei anderen impulsives Verhalten oder eine ausgeprägte innere Unruhe im Vordergrund stehen.

  • Unaufmerksamkeit zeigt sich häufig durch Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit oder Schwierigkeiten, Aufgaben über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Betroffene verlieren schneller den Faden, lassen sich leicht ablenken oder übersehen wichtige Details.
  • Hyperaktivität wird oft mit einem starken Bewegungsdrang verbunden. Während Kinder häufig zappeln, herumrennen oder kaum still sitzen können, äußert sich Hyperaktivität bei Erwachsenen häufig eher als innere Unruhe oder das Gefühl, ständig unter Spannung zu stehen.
  • Impulsivität bedeutet, spontan zu handeln, ohne die möglichen Folgen ausreichend zu bedenken. Betroffene unterbrechen andere häufiger, treffen vorschnelle Entscheidungen oder haben Schwierigkeiten, geduldig abzuwarten.

 

2. Wie zeigen sich die Symptome im Alltag?

Die Symptome von ADHS können sich in vielen Alltagssituationen bemerkbar machen. Manche Menschen vergessen regelmäßig Termine, verlieren häufig Gegenstände oder beginnen mehrere Aufgaben gleichzeitig, ohne sie zu Ende zu bringen. Andere fällt es schwer, Gesprächen über längere Zeit aufmerksam zu folgen oder sich bei Routineaufgaben zu konzentrieren. Diese Herausforderungen können sich sowohl in der Schule oder im Beruf als auch im Familienleben oder in Freundschaften bemerkbar machen. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass Menschen mit ADHS grundsätzlich weniger leistungsfähig sind. Viele entwickeln im Laufe ihres Lebens individuelle Strategien, um ihren Alltag erfolgreich zu bewältigen.

 

3. Hat jeder Mensch mit ADHS die gleichen Symptome? 

Nein. ADHS zeigt sich bei jedem Menschen etwas anders. Während manche Betroffene vor allem unter Unaufmerksamkeit leiden, stehen bei anderen Hyperaktivität oder Impulsivität stärker im Vordergrund. Auch die Intensität der Symptome kann sehr unterschiedlich sein. Außerdem verändern sich die Beschwerden häufig im Laufe des Lebens. So nimmt die sichtbare Hyperaktivität bei vielen Erwachsenen ab, während Konzentrationsprobleme oder innere Unruhe bestehen bleiben können. Genau deshalb ist ADHS nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Symptome und deren Bedeutung auf einen Blick

 

Warum entsteht ADHS?

Bis heute ist nicht vollständig geklärt, warum ADHS entsteht. Nach dem aktuellen Stand der Forschung gehen Fachleute davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Als wichtigste Ursache gilt eine genetische Veranlagung. Daneben spielen Veränderungen bestimmter Botenstoffe im Gehirn eine Rolle. Auch verschiedene Umweltfaktoren werden untersucht, ihr Einfluss ist jedoch bislang nicht eindeutig geklärt.

 

1. Welche Rolle spielen Gene?

Die genetische Veranlagung gilt als der wichtigste Risikofaktor für ADHS. Studien zeigen, dass ADHS innerhalb von Familien gehäuft auftritt. Hat ein Elternteil oder ein Geschwisterkind ADHS, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass auch weitere Familienmitglieder betroffen sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass ADHS zwangsläufig vererbt wird. Vielmehr erhöhen bestimmte genetische Eigenschaften das Risiko, eine ADHS zu entwickeln. Wie stark sich die Erkrankung tatsächlich ausprägt, kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.

 

2. Warum sind Dopamin und Noradrenalin wichtig?

Neben der genetischen Veranlagung spielen auch bestimmte Botenstoffe im Gehirn eine wichtige Rolle. Besonders Dopamin und Noradrenalin sind an der Steuerung von Aufmerksamkeit, Motivation und Impulskontrolle beteiligt. Bei Menschen mit ADHS geht man davon aus, dass die Signalübertragung dieser Botenstoffe in bestimmten Hirnregionen anders funktioniert. Das bedeutet nicht unbedingt, dass insgesamt zu wenig Dopamin oder Noradrenalin vorhanden ist. Vielmehr werden die Signale zwischen den Nervenzellen vermutlich weniger effizient übertragen oder verarbeitet. Dadurch kann es schwerer fallen, die Aufmerksamkeit gezielt zu steuern, Reize zu filtern oder impulsive Reaktionen zu kontrollieren.

 

3. Welche weiteren Faktoren werden erforscht?

Neben genetischen und biologischen Ursachen untersuchen Forschende weitere Einflüsse, die möglicherweise zur Entstehung oder Ausprägung von ADHS beitragen können. Dazu gehören unter anderem Rauchen oder Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, ein sehr niedriges Geburtsgewicht oder Komplikationen rund um die Geburt. Auch Umweltfaktoren wie chronischer Stress, Bewegungsmangel oder bestimmte Lebensmittel werden immer wieder diskutiert. Bisher gibt es jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege, dass diese Faktoren allein ADHS verursachen. Heute geht man deshalb davon aus, dass ADHS durch das Zusammenspiel verschiedener genetischer, biologischer und möglicherweise weiterer Einflüsse entsteht.

Entstehung ADHS einfach erklärt

 

Wie wird ADHS festgestellt?

Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit oder innere Unruhe können viele Ursachen haben und sind nicht automatisch ein Hinweis auf ADHS. Deshalb wird die Diagnose nicht anhand eines einzelnen Symptoms oder eines kurzen Tests gestellt. Stattdessen betrachten Fachleute die Beschwerden im Zusammenhang mit der persönlichen Entwicklung, dem Alltag und der Krankengeschichte. So lässt sich besser beurteilen, ob tatsächlich eine ADHS vorliegt oder ob andere Ursachen die Symptome erklären.

 

1. Welche Kriterien müssen für eine ADHS erfüllt sein?

Für die Diagnose reicht es nicht aus, gelegentlich unkonzentriert, impulsiv oder unruhig zu sein. Fachleute orientiere sich an international anerkannten Diagnoseleitlinien wie dem DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) oder der ICD-11 (Internationale Klassifikation der Krankheiten). Diese legen fest, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit eine ADHS diagnostiziert werden kann. Dazu gehört unter anderem:

  • Die typischen Symptome bestehen seit der Kindheit. ADHS ist eine neurologische Entwicklungsstörung und beginnt daher bereits in jungen Jahren, auch wenn sie manchmal erst im Erwachsenenalter erkannt wird.
  • Die Beschwerden treten in mehreren Lebensbereichen auf. Die Symptome zeigen sich beispielsweise sowohl in der Schule oder im Beruf als auch zu Hause oder im sozialen Umfeld.
  • Die Symptome beeinträchtigen den Alltag deutlich. Sie erschweren beispielsweise das Lernen, Arbeiten, Organisieren oder zwischenmenschliche Beziehungen.
  • Andere mögliche Ursachen werden ausgeschlossen. Da Konzentrationsprobleme oder innere Unruhe auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, prüfen Fachleute sorgfältig, ob die Beschwerden besser anders erklärt werden können.

Dabei geht es nicht darum, ob einzelne typische Verhaltensweisen vorkommen. Entscheidend ist vielmehr, wie häufig, wie lange und wie stark die Symptome auftreten und ob sie den Alltag erheblich beeinträchtigen.

 

2. Warum ist eine sorgfältige Diagnose so wichtig?

Viele Beschwerden, die für ADHS typisch sind, können auch bei anderen Erkrankungen oder Belastungssituationen auftreten. Konzentrationsprobleme können beispielsweise mit Schlafmangel, chronischem Stress, Depressionen oder Angststörungen zusammenhängen. Auch Lernstörungen oder andere neurologische beziehungsweise psychische Erkrankungen können ähnliche Symptome verursachen. Eine sorgfältige Diagnostik hilft deshalb dabei, die richtige Ursache zu finden und eine passende Behandlung einzuleiten. Sie verhindert außerdem, dass vorschnell eine ADHS vermutet wird, obwohl eine andere Erkrankung hinter den Beschwerden steckt.

 

3. Warum gibt es keinen einzelnen ADHS-Test?

Viele Menschen wünschen sich einen einfachen Test, der eindeutig zeigt, ob ADHS vorliegt. Einen solchen Test gibt es jedoch nicht. Die Diagnose basiert vielmehr auf mehreren Bausteinen. Dazu gehören ausführliche Gespräche, standardisierte Fragebögen sowie – je nach Alter – Informationen von Eltern, Lehrkräften, Partnern oder anderen nahestehenden Personen. Ergänzend können psychologische Untersuchungen durchgeführt werden, um die Aufmerksamkeit oder das Verhalten genauer zu beurteilen. Erst das Zusammenspiel dieser Informationen ermöglicht eine fundierte Diagnose. Online-Selbsttests können zwar erste Hinweise geben, ersetzen jedoch keine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung.


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